Zur Behandlung einer Blasenentzündung braucht es nicht immer zwingend Antibiotika. Bei leichtem Verlauf können Betroffene zunächst Alternativen probieren. Antibiotika helfen gut gegen die Erreger einer Blasenentzündung , meist Escherichia coli. Doch sie sind nicht immer notwendig. Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung mit mildem Verlauf können Betroffene zunächst andere Mittel ausprobieren. Nehmen die Symptome zu, sollte jedoch ärztlicher Rat eingeholt werden. Blasenentzündung quält vor allem Frauen Brennen beim Wasserlassen, unerträglicher Harndrang trotz leerer Blase und Schmerzen im Unterleib: Besonders Frauen kennen die unangenehmen Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis): Laut dem Bundesministerium für Gesundheit bekommen rund zehn von 100 Frauen mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung. Dass Frauen anfälliger für Blasenentzündungen sind als Männer, hat zwei wichtige Gründe. Zum einen liegen After und Harnröhrenausgang bei Frauen eng beieinander. Keime können den geringen Abstand leicht überwinden. Zum anderen ist die weibliche Harnröhre mit gerade einmal vier Zentimetern deutlich kürzer. Keime haben es leichter, über die Harnröhre in die Blase zu gelangen. Unkomplizierte Blasenentzündung heilt meist von selbst aus Laut wissenschaftlichen Studien heilt eine unkomplizierte Blasenentzündung bei 30 bis 50 von 100 Betroffenen innerhalb von einer Woche auch ohne die Einnahme eines Antibiotikums aus. Eine Behandlung mit einem Antibiotikum bei unkomplizierten Blasenentzündungen hat vor allem das Ziel, die Beschwerden rasch zu lindern. Betroffene, die zunächst auf ein Antibiotikum verzichten möchten, können alternative Mittel versuchen. Wann mit einer Blasenentzündung zum Arzt? Klingen die Symptome der Blasenentzündung nach einigen Tagen jedoch nicht ab oder verschlimmern sich die Beschwerden sogar, reichen die Selbsthilfemaßnahmen nicht aus. Dann ist es ratsam, umgehend einen Arzt aufzusuchen, um zu verhindern, dass sich der Infekt auf die Nieren ausbreitet. Komplikationen bei einer Blasenentzündung sind selten, kommen aber vor. Begleiten Fieber und Flankenschmerz die Blasenentzündung, deutet das auf eine Nierenbeteiligung hin, die rasch ärztlich behandelt werden muss. Schwangere sollten bei Verdacht auf eine Blasenentzündung immer Kontakt mit ihrem Arzt aufnehmen. Das gilt auch für Männer, bei denen ein Harnwegsinfekt aufgrund der Anatomie als kompliziert gilt. Ebenso sollten Diabetespatienten, Frauen nach den Wechseljahren, Menschen mit Störungen der Nierenfunktion oder der Blasenentleerung sowie Ältere eine Blasenentzündung ärztlich begleiten lassen. Alternativen zu Antibiotika bei Blasenentzündung Es gibt verschiedene Mittel, die bei einer Blasenentzündung helfen können, darunter: Schmerzmittel Bärentraubenblätter Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut Cranberrys D-Mannose Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel Wichtig ist, diese Präparate gemäß den Arzt- oder Herstellerinformationen einzunehmen und nicht höher zu dosieren. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen sollte eine längerfristige Einnahme, etwa als Vorbeugemaßnahme, mit dem behandelnden Arzt besprochen werden und die Einnahme ärztlich begleitet sein. Auch pflanzliche Produkte können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Schwangere sollten die Einnahme eines Mittels immer ärztlich abklären. Das gilt auch für Menschen, die bereits aufgrund einer anderen Erkrankung Medikamente nehmen. Schmerzmittel lindern Brennen und Schmerzen Bei einer Blasenentzündung leiden Betroffene häufig stark unter den Symptomen. Sind Brennen und Harndrang intensiv, können Schmerzmittel die Beschwerden lindern, beispielsweise mit dem Wirkstoff Ibuprofen , Diclofenac oder Paracetamol. Wichtig: Die in der Packungsbeilage angegebene tägliche Höchstmenge und die Anwendungsdauer sollten nicht überschritten werden. Bärentraubenblätter gegen Bakterien und Entzündungen In der "Patienteninformation Blasenentzündung" der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) sind Bärentraubenblätter als mögliche Behandlungsoption von unkomplizierten, akuten Blasenentzündungen genannt. Die Bärentraube ist eine Heilpflanze, die traditionell bei der Behandlung von Harnwegsinfektionen Anwendung findet. Die getrockneten Blätter der Pflanze enthalten Substanzen, die antibakteriell, entzündungshemmend und harntreibend wirken. Die Einnahme erfolgt über Tee, Kapseln oder Tabletten. Laut der DGU gilt die Bärentraube im Allgemeinen als sicher, wenn Betroffene das Präparat in den empfohlenen Dosen und für kurze Zeiträume verwenden. Die Empfehlung lautet: maximal eine Woche am Stück und höchstens fünfmal im Jahr. Von einer Einnahme in der Schwangerschaft und Stillzeit raten die Experten ab, da es keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu gibt. Auch für Personen mit Nierenproblemen ist die Einnahme von Bärentraubenblättern ungeeignet. Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut gegen Zystitis Ebenso empfiehlt die DGU in ihrer Patienteninformation eine Pflanzenkombination aus Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut, auch BNO 1045 genannt. Das pflanzliche Präparat wird als Dragees oder Tropfen eingenommen und wirkt laut den Experten entzündungshemmend und krampflösend. Auch die Bakterienanheftung werde gesenkt. Das Mittel gilt im Allgemeinen als verträglich. Möglicherweise können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen auftreten. Cranberrys können vorbeugen helfen Eine schwache Empfehlung sprechen die Autoren der Patientenleitlinie für Cranberrys aus, da der wissenschaftliche Beweis für ihren Nutzen insgesamt gering ist. Doch gibt es wissenschaftliche Studien, die zeigen konnten, dass Cranberrys bei Blasenentzündungen helfen können, insbesondere bei Frauen mit wiederkehrenden Infektionen. Cranberrys enthalten Proanthocyanidine. Diese erschweren es den Bakterien, sich an den Schleimhäuten der Harnwege festzusetzen. Manchmal werden Cranberry-Produkte auch zur Vorbeugung von Blasenentzündungen empfohlen. Eine standardisierte Dosierung gibt es nicht. Diese hängt von der Konzentration der Produkte und der Darreichungsform ab. Patientinnen können sich beispielsweise in der Apotheke beraten lassen. Cranberrys sind in der Regel gut verträglich. Unter Umständen kann es bei einer vermehrten Einnahme zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Außerdem rät der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF), Cranberrysaft nicht ohne ärztliche Abstimmung längere Zeit zu trinken. Cranberrysaft enthalte viel Oxalsäure und sei nicht geeignet für Menschen, die zur Nierensteinbildung neigen. D-Mannose – Zucker gegen Blasenentzündung D-Mannose ist ein Zucker, der eng mit Glukose verwandt ist und natürlicherweise in bestimmten Früchten wie Cranberrys, Äpfeln und Orangen vorkommt. Bei einer Blasenentzündung soll D-Mannose verhindern, dass sich die Bakterien an die Schleimhaut der Blase anheften. D-Mannose ist in Form von Pulver, Kapseln und Tabletten erhältlich und meist gut verträglich. Die Dosierung und Art der Anwendung kann der Arzt festlegen. Es ist möglich, dass während der Einnahme Blähungen , Durchfall und Bauchschmerzen auftreten. Da D-Mannose den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt, sollten Menschen mit Diabetes oder anderen Blutzuckerproblemen die Einnahme mit ihrem Arzt besprechen. Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel wirken keimhemmend Die Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen führt Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel als mögliche pflanzliche Therapieoption an. Aufgrund der begrenzten Evidenz wird ihr Einsatz jedoch nur mit Empfehlungsgrad C ("kann") bewertet. Die enthaltenen Senföle weisen zwar antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften auf und können bei milden Verläufen unterstützend wirken, erreichen jedoch nicht die Verlässlichkeit einer antibiotischen Therapie und gelten daher nicht als Standardbehandlung. In der Regel sind die Präparate gut verträglich, können unter Umständen aber Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Ausreichend trinken spült Keime aus der Blase Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) empfiehlt bei einer Blasenentzündung zudem eine ausreichende Trinkmenge und häufige Blasenentleerungen, um Keime aus der Blase und der Harnröhre zu spülen. Spezielle Blasen- und Nierentees können dies unterstützen. Die Arzneitees enthalten Pflanzen, beispielsweise Birkenblätter, Goldrutenkraut, Schachtelhalmkraut und Bitterfenchel, denen harntreibende, krampflösende, antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften zugesprochen werden.