Eine neue Studie erregt Aufsehen: Fleisch soll bei manchen Menschen das Demenzrisiko senken. Karl Lauterbach ordnet die Ergebnisse als "sehr bedeutsam" ein. Doch seine Aussage greift zu kurz. Fleisch steht seit Jahren in der Kritik. Viele Experten warnen vor den gesundheitlichen Risiken, vor allem bei hohem Konsum. Nun stellt eine neue Untersuchung des Karolinska Instituts in Schweden dieses Bild teilweise infrage. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal "Jama" und untersucht, wie Fleischkonsum das Demenzrisiko beeinflusst. Studie verfolgt Teilnehmer über 15 Jahre Die Forscher begleiteten mehr als 2.100 Menschen ab 60 Jahren über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Zu Beginn litt niemand an Demenz . Die Wissenschaftler erfassten regelmäßig die Ernährungsgewohnheiten und testeten Gedächtnis, Sprache und Denkgeschwindigkeit. Mit der Zeit wurden dann auch Demenzdiagnosen nach festen Kriterien von Ärzten gestellt. Das Ergebnis der Untersuchung: Menschen mit den Risiko-Genvarianten APOE 3/4 oder 4/4 hatten bei geringem Fleischkonsum mehr als doppelt so häufig Demenz wie Menschen ohne diese Gene. In der Gruppe mit dem höchsten Fleischkonsum verschwand dieses erhöhte Risiko jedoch. Die Teilnehmer mit dem höchsten Konsum aßen im Schnitt rund 870 Gramm Fleisch pro Woche – bezogen auf eine tägliche Energiezufuhr von 2.000 Kalorien. Bei ihnen verschlechterte sich die geistige Leistungsfähigkeit langsamer. Karl Lauterbach: "Sehr bedeutsame Studie" Karl Lauterbach hebt genau diesen Punkt hervor. Er schrieb auf X, Menschen mit genetischem Risiko könnten ihr Demenzrisiko durch Fleischkonsum "deutlich" senken. Damit greift er einen zentralen Befund der Studie auf, lässt aber wichtige Einschränkungen weg. Fleisch essen: Wie viel ist noch gesund fürs Herz? Frühdemenz: Diese ersten Symptome kennen viele nicht Wichtige Einschränkungen bleiben oft unerwähnt Denn die Art des Fleisches spielt eine entscheidende Rolle. Unverarbeitetes Rind- und Geflügelfleisch schnitt in der Studie günstiger ab. Ein hoher Anteil an verarbeitetem Fleisch, etwa Wurst oder Speck, ging dagegen mit einem höheren Demenzrisiko einher, unabhängig vom Genprofil. Auch die Studienart begrenzt die Aussagekraft. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Das bedeutet: Die Forscher erkennen Zusammenhänge, können aber keine Ursache beweisen. Genau diesen Punkt erwähnt Lauterbach in seinem kurzen Kommentar nicht. Warum die Gene eine Rolle spielen könnten Die Wissenschaftler vermuten, dass die genetische Ausstattung beeinflusst, wie der Körper Nährstoffe verarbeitet. Fleisch enthält unter anderem Vitamin B12, das das Nervensystem unterstützt. Menschen mit erhöhtem Alzheimer-Risiko könnten davon besonders profitieren. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass weitere Studien nötig sind. Für die breite Bevölkerung ergibt sich aus den bisherigen Erkenntnissen deshalb keine klare Ernährungsempfehlung.