In einem umkämpften Derby gehen die Gäste früh in Führung. Die Hausherren dagegen agieren unglücklich – und haben dazu auch noch Pech. Die Entscheidung fällt nach einer Stunde. Der FC St. Pauli hat sich zumindest vorübergehend auf Platz eins der Bundesliga geschoben – und das auch noch durch einen Derbysieg: 2:0 (1:0) siegten die Kicker vom Millerntor beim großen Stadtrivalen Hamburger SV und fügten dem Liga-Rückkehrer damit gleichzeitig eine empfindliche Niederlage zu. Adam Dzwigala (19.) und Andreas Hountondji (60.) trafen am Freitagabend zum verdienten Sieg der Gäste, die einfach cleverer auftraten und ihre Chancen nutzten. Der HSV dagegen blieb in den entscheidenden Szenen zu harmlos und präsentierte sich zeitweise schwach. Die Mannschaft von Trainer Merlin Polzin musste die Schlussphase dazu in Unterzahl bestreiten: Verteidiger Giorgi Gocholeishvili sah in der 77. Minute Gelb-Rot. Durch den Erfolg ist St. Pauli zumindest über Nacht mit vier Punkten Tabellenführer, wird am Samstag aber sicher wieder von der Spitze verdrängt werden. So lief das Spiel Pünktlich um 20.30 Uhr war es so weit: 2666 lange Tage nach dem Abstieg war der Volkspark offiziell wieder ein Bundesligastadion. Doch ein Großteil der Zuschauer kassierte früh einen Stimmungsdämpfer. St. Pauli schockierte den Gastgeber nach einer ausgeglichenen Anfangsphase mit einer kreativen Eckenvariante – an deren Ende Verteidiger Dzwigala aus rund acht Metern sein erstes Bundesligator erzielte. Auch im Anschluss wirkte St. Pauli wie die reifere Bundesligamannschaft. Der überforderte HSV hatte gleich zweimal großes Glück: Zunächst wurde Hountondji fälschlicherweise eine sehr aussichtsreiche Abschlussposition wegen eines vermeintlichen Fouls genommen (25.), dann vergab Mathias Pereira Lage völlig frei vor Daniel Heuer Fernandes (41.). Die zweite Hälfte begann mit einer Gefühlsexplosion. Der vermeintliche Treffer von Ransford-Yeboah Königsdörffer nach einem langen Ball verwandelte den Volkspark kurzzeitig in ein Tollhaus, doch Schiedsrichter Christian Dingert mutierte wegen einer knappen Abseitsstellung zum Spielverderber. Der HSV blieb dran: St. Pauli-Keeper Nikola Vasilj parierte einen guten Freistoß von Miro Muheim (53.). Doch es war wenig später wieder der abgezockte "kleine Nachbar", der den Treffer machte. Hountondji umkurvte den unentschlossenen Heuer Fernandes und traf aus spitzem Winkel. Kurz davor war der neue HSV-Kapitän Yussuf Poulsen wie schon beim 0:0 in Gladbach zum Saisonstart eingewechselt worden. In der Schlussphase hatte St. Pauli noch weitere gute Gelegenheiten zum dritten Tor.