Nicht nur in Zeiten vieler Feiertage reagiert der Darm mitunter heftig auf Abweichungen. Er ist ein sensibles Organ, dem generell mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte Nach den kulinarischen Festtagssexzessen kann uns nicht nur die Anzeige der Personenwaage erschrecken. Möglicherweise beschwert sich auch eines unserer inneren Organe, das nicht nur nach festlichen Anlässen eindeutig mehr Zuwendung verdient: unser Darm. Wer ihn immer noch als dunkle, nicht eben appetitliche Durchgangsstation für Verdautes auf dem Weg zum Ausgang begreift, kennt nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit ist er ein hochkomplex arbeitendes, vom Nervensystem gesteuertes und sensibel reagierendes System. Trotz seiner erstklassigen direkten Verbindungen nach ganz oben (Darm-Hirn-Achse) kann es im harmonischen Zusammenspiel unserer Ernährung mit einer funktionierenden Darmflora , einem ausgeglichenen Hormonhaushalt und einer aufgeräumten Psyche schon mal zu Störungen kommen: Wenn wir unserem Körper über mehrere Tage ungewohnt viel Nahrung zuführen, darüber eine angemessene Flüssigkeitszufuhr vernachlässigen oder uns etwa zu wenig bewegen, kann das zu Verstopfungen führen. Auch abseits von Festtagen reagiert der Darm verstimmt auf Stress oder Zeitdruck sowie auf Abweichungen vom gewohnten Tagesrhythmus, etwa bei Reisen. Wer nur unregelmäßig auf die Toilette kommt oder den Stuhldrang – eigentlich eine klare Ansage unseres Körpers – unterdrückt, muss damit rechnen. Auch hormonelle Veränderungen in der Perimenopause (erste Phase der Wechseljahre) oder bei Schilddrüsenerkrankungen können übel genommen werden. Ähnliches ist bei Einnahme bestimmter Medikamente möglich, etwa bei Eisenpräparaten, Opiaten oder Antidepressiva – im Prinzip bei allen Einflüssen, die unsere Darmflora oder -beweglichkeit ungünstig verändern. Im ungünstigsten Fall bleibt es dann nicht bei zeitweiligen Verstopfungen, sondern es kommt zu behandlungsbedürftigen funktionellen Darmstörungen. Stress vermeiden Einem so sensiblen Organ kann man mit möglichst geregelten Abläufen Gutes tun. Das kommt dem sogenannten gastrokolischen Reflex entgegen: Der sorgt dafür, dass nach Mahlzeiten, vor allem nach dem Frühstück, unsere Darmtätigkeit Fahrt aufnimmt. Mancher verspürt deshalb jeden Morgen zur gleichen Zeit das Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen. Wer das auf Dauer ignoriert, verstimmt sein Innenleben: Der Darm wird träge. Er mag es nämlich regelmäßig. Er ist im wahrsten Sinne ein analer Zwangscharakter. Man kann ihn durch feste Gewohnheiten konditionieren, etwa durch ein kaltes oder warmes Getränk zum Frühstück – O-Saft, Tee oder Kaffee. Mancher trinkt ayurvedisch morgens sogar ein Glas lauwarmes Wasser, ehe er überhaupt Nahrung zu sich nimmt. Meldet sich später der Stuhldrang, sollte man sich auf der Toilette möglichst Zeit lassen und auch hier Stress vermeiden. Ballaststoffe bringen viel in Bewegung Allzu ausgiebige Sitzungen auf der Schüssel, heute eher mit Handy statt der Morgenzeitung, sind der Schlüssel für ausgeleierte Hämorrhoiden . Auch unsere Beckenbodenmuskulatur empfindet den Druck als unangemessen. Mit Entspannung und Regelmäßigkeit funktioniert alles besser. Denn eine Verstopfung kann auch auf psychosomatische Ursachen zurückgehen: bei Menschen mit ausgeprägtem Kontrollbedürfnis (vor allem sich selbst gegenüber), bei innerer Anspannung oder der Unfähigkeit, Dingen ihren Lauf zu lassen. Organisch lässt sich einiges machen. Ballaststoffe sind ein wichtiger natürlicher Anreger für unsere Darmbewegung, insbesondere faserige Ballaststoffe, die wir aus Gemüse, Salaten, Nüssen und Samen, aber auch aus Vollkornprodukten beziehen. Sie bringen die Verdauungsorgane in Bewegung und vergrößern das Stuhlvolumen. Lösliche Ballaststoffe, etwa aus Akazienfasern, Leinsamen, Hafer oder Flohsamenschalen, binden Wasser. Sie machen den Stuhl weich und füttern gleichzeitig auch unsere Darmbakterien. Wer bei sich ein Defizit an Ballaststoffen vermutet, sollte sie allmählich und kontinuierlich steigern und diesen Prozess immer mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr begleiten. So können auch Blähungen vermieden werden. Nicht zu spät reagieren Fast jeder hat schon Zeiträume mit hartem Stuhl erlebt, das heftige, mitunter schmerzhafte Pressen, das zum Hämorrhoidalleiden und Analfissuren führen kann und einen unangenehmen Druck von innen zu unserem ständigen Begleiter werden lässt. Wird auf eine Verstopfung über längere Zeiträume nicht reagiert, weitet sich unter Umständen der Enddarm, der Stuhldrang lässt nach und unser Darminhalt verhärtet weiter. Spätestens dann stört die träge Verdauung unser Wohlbefinden und wir klagen über Blähungen und Bauchschmerzen oder fühlen uns "innerlich vergiftet". Kein Wunder, denn wenn der Darminhalt zu lange im Dickdarm pausiert, kann es dort zu wahren Fäulnisprozessen kommen. Bakterien und Eiweißreste, die uns eigentlich Gutes tun oder uns zügig wieder durch den Ausgang verlassen sollten, zersetzen sich dann vor Ort und zaubern Fäulnisgase, Stoffwechselprodukte wie Ammoniak, Schwefel oder Amine. Die sind nicht nur mit dem Geruchssinn wahrnehmbar, sie gehen mit Völlegefühl , Bauchdrücken und generellem Unwohlsein einher. Außerdem schädigen die länger verweilenden Gase unsere Darmschleimhaut und bringen die gesamte Darmflora aus der Balance. Magnesium kann hervorragend helfen Gegensteuern lässt sich erst einmal mit Magnesium. Es bindet Wasser im Darm, mit dem sich unser Stuhl vielleicht doch noch erweichen lässt. Zudem kann es die Muskulatur koordinieren. Meist gut verträglich sind organische Magnesiumverbindungen wie Magnesiumcitrat, -glycinat oder -malat. Als am flottesten stuhlregulierend erweist sich Magnesiumcitrat. Anorganische Formen wie Magnesiumoxid werden schlechter aufgenommen und können schneller zu Durchfall führen. Überhaupt sollte man die Dosierung den individuellen Bedürfnissen anpassen. Harter Stuhl ist unangenehm, das extreme Gegenteil allerdings auch. Neben großzügiger Flüssigkeitsaufnahme und ballaststoffreicher Ernährung können Trockenfrüchte wie Backpflaumen , aber auch Zwiebeln oder Sauerkrautsaft einen Beitrag leisten – auch hier reichen meist schon kleinere Mengen aus. Bauchmassagen im Uhrzeigersinn erinnern den trägen Darm an das, was wir eigentlich von ihm erwarten. Der Darm steht auf fermentierte Lebensmittel Ein neuer oder zumindest wiederbelebter Küchentrend ist die Zubereitung fermentierter Lebensmittel , die sich auch als durchaus darmherzig erweist. Allerdings sollten etwa Sauerkraut oder Kimchi – obwohl vielleicht gewöhnungsbedürftig – nicht erhitzt werden, damit die Bakterien im Sinne von Probiotika weiterleben. Wer immer auf der Toilette zu kämpfen hat, kann seine Füße beim großen Geschäft auf einen kleinen Tritt oder eine Fußbank stellen. Das erleichtert (anatomisch) den Abwurf. Wichtig ist dabei auch, dass Sie ruhig atmen und nicht allzu dramatisch pressen. Sollte das alles nicht flutschen, kann Ihnen der Hausarzt medizinisch helfen, etwa mit Abführmitteln wie Macrogol oder Lactulose und individuell verordneten Probiotika. Wenn nötig, lässt er Ihre Beschwerden internistisch abklären. Halten Sie die Dinge im Fluss und kommen Sie gesund durch die Zeit!