Wer Duschgels, Shampoos und Kosmetikprodukte im Internet kauft, geht damit mitunter ein gesundheitliches Risiko ein. Denn die Produkte können längst verbotene Stoffe enthalten. Haargels, Shampoos und Rasierschaum: Wer solche Produkte in Deutschland kauft, geht davon aus, dass sie hinreichend getestet und sicher sind. Doch eine aktuelle Recherche der Plattform "Correctiv" zeigt, dass dieser Schutz Lücken hat. Trotz klarer Verbote verkaufen Händler weiterhin Kosmetikprodukte mit problematischen Inhaltsstoffen, teils auch noch Jahre später. Diese Marken sind betroffen Für ihre Analyse wertete "Correctiv" Daten aus dem Schnellwarnsystem "Safety Gate" der EU aus. Dieses System informiert Verbraucher in Echtzeit über gefährliche Produkte. In den vergangenen zehn Jahren habe die EU mehr als 4.000 Produkte offiziell vom Markt genommen, weil sie für Verbraucher gesundheitsschädlich waren, so die Investigativ-Plattform. Viele seien jedoch weiterhin erhältlich, besonders auf großen Online-Plattformen. Das Problem betrifft auch bekannte Marken wie: Nivea (Duschgel, Deodorant, Reinigungsmilch, Handcreme, Rasiergel und -schaum) Schwarzkopf (Shampoo, Haarfärbemittel, Haargel, Haarmousse, Haarspray) Fa (Duschgel, Deodorant) Syoss (Haarfärbemittel) Dove (Duschgel) Schauma (Haarspülung) Eine vollständige Liste der einzelnen Pflegeprodukte, die potenziell gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, finden Sie in dem Artikel von "Correctiv". Nicht zu nah ans Herz halten : Wer bei Smartwatches vorsichtig sein sollten Studie zeigt klaren Vorteil : Diesen Cholesterin-Zielwert empfehlen Experten jetzt Immer neue Produkte erschweren die Kontrolle Die Firmen selbst gaben an, die Produkte nach dem Verbot nicht mehr auszuliefern, so "Correctiv". Doch die Journalisten konnten drei der verbotenen Produkte kaufen, darunter einen Nivea-Rasierschaum bei Amazon , der den Duftstoff Lilial (auch BMHCA genannt) enthält und unter anderem die Fruchtbarkeit schädigen kann. Ein Amazon-Sprecher schreibt dazu auf Anfrage, der Konzern überprüfe kontinuierlich den Store. Er habe nun den verbotenen Rasierschaum aus dem Angebot entfernt. Zwei weitere Online-Händler äußerten sich nicht auf Anfrage. Allein 2025 prüfte die EU-Kommission laut einem Sprecher mehr als 1,6 Millionen Webseiten und entdeckte mehr als 20.000 illegale Produkte, darunter viele auf großen Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Wie viele davon Kosmetikprodukte betrafen, blieb unklar. Die Investigativ-Plattform bemängelt daher, dass es zu wenige Überprüfungen gebe – sowohl, wenn Risiken gemeldet werden, als auch, wenn neue Produkte auf den Markt kommen. So brächten Unternehmen jeden Tag 800 neue Kosmetikprodukte auf den europäischen Markt, die nur stichprobenartig getestet werden. Und viele der Inhaltsstoffe seien allgemein nur unzureichend geprüft, schreibt "Correctiv". "Allergen des Jahres 2026" : In diesen Produkten steckt ein kaum bekannter Reizstoff Globale Gesundheitskrise : Durch diese Alltagsprodukte entstehen resistente Keime Verbraucherschutz könnte sich weiter verschlechtern Kritisch sieht "Correctiv" zudem aktuelle politische Pläne. Die EU diskutiert derzeit, wie lange verbotene Produkte noch verkauft werden dürfen. Bisher liegt die Frist bei 18 Monaten. Künftig könnten es bis zu sechs Jahre sein. Laut "Correctiv" und der Health and Environment Alliance (HEAL), einer europäischen Non-Profit-Organisation, sollen am 15. April 2026 zwei Ausschüsse des EU-Parlaments über den sogenannten "Chemikalien-Omnibus" für die EU-Kosmetikverordnung abgestimmt haben. Sie regelt Alltagsprodukte wie Seifen, Make-up, Zahnpasta, Cremes und Sonnenschutzmittel. Ob die Abstimmung stattgefunden hat oder wie sie verlaufen ist, ist bisher unklar. Kosmetikvorschrift schützt vor Karzinogenen und Schadstoffen Sandra Jen, Programmleiterin für Gesundheit und Chemikalien bei HEAL, schreibt: "Die europäischen Kosmetikvorschriften schützen Verbraucherinnen und Verbraucher seit über 20 Jahren vor krebserregenden Chemikalien. Sie jetzt zu schwächen, würde die Exposition gegenüber bekannten Karzinogenen und anderen Schadstoffen verlängern und über Jahrzehnte erreichte Fortschritte zunichtemachen." Auch Wolfgang Fecke, Geschäftsführer der Association of European Cancer Leagues (ECL) nennt die Abstimmung einen Schritt in die falsche Richtung, vor allem vor dem Hintergrund, dass fast jeder zweite Krebsfall vermeidbar ist. "Die Bemühungen, die Belastung der Menschen durch krebserregende Chemikalien zu verringern, sollten ausgeweitet und nicht zurückgefahren werden", fügt er an. Auch Verbraucherschützer warnen schon vor den Folgen. Kerstin Effers, Expertin für Umwelt- und Gesundheitsschutz bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, erklärt in einer Pressemitteilung: "Die Meldungen im Safety Gate sind nur die Spitze des Eisbergs, weil Behörden nur wenige Stichproben prüfen können." Außerdem sei davon auszugehen, dass mehr Stoffe gesundheitsschädlich sind, als bisher bekannt sei.