Wurst, Tiefkühlpizza, Limo oder Chips: Für Kinder besonders schädlich?

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Viele stark verarbeitete Lebensmittel zu essen, gilt als ungesund. Doch gerade bei Kindern sind sie oft beliebt. Welche Folgen kann ihr hoher Konsum haben? Limos in bunten Flaschen, Wurst oder Chips in Tierform und gesüßter Joghurt mit beliebten Filmmotiven: In den Supermarktregalen finden sich zahlreiche Fertigprodukte, die besonders für Kinder und Jugendliche verlockend wirken, aber für eine gesunde und ausgewogene Ernährung ungeeignet sind. So gelten stark verarbeitete Lebensmittel als Dickmacher und werden mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht. Welche Folgen könnte es für Kinder haben, wenn diese schon früh im Leben regelmäßig zum Fertigsnack greifen? Fachleute geben Antworten. Was sind stark verarbeitete Lebensmittel? Stark verarbeitete Lebensmittel (oft auch als hochverarbeitet bezeichnet) sind industriell hergestellte Produkte, deren Zutaten mehrere Verarbeitungsschritte durchlaufen haben. Sie enthalten häufig viel Zucker, viel Salz, gehärtete Fette, industrielle Stärken und zahlreiche Zusatzstoffe wie Emulgatoren, Farbstoffe oder Aromastoffe. Meist sind sie verzehrfertig oder müssen nur noch aufgewärmt werden. In der Diskussion um die möglichen Auswirkungen ihres Konsums kommt Daniela Graf vom Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, vor allem folgender Aspekt zu kurz: "Wir essen diese Produkte ja nicht on top, sondern diese ersetzen unsere traditionellen Lebensmittel – und im Normalfall sind das eben das frische Obst und Gemüse, die Vollkornprodukte." Sprich: Statt Haferflocken mit frischem Apfel gibt es Frühstückszerealien, statt Vollkornbrot weißen Toast, statt eines frisch gekochten Mittagessens Tiefkühlpizza. Studie zeigt: Wer sich so ernährt, schwächt seine Knochen Riskant: Diese Kost könnte Muskeln schaden und Arthrose begünstigen Geflügelfleisch: Wie gesund ist ihr regelmäßiger Verzehr? Welche Folgen kann das für die Gesundheit von Kindern haben? Aus Sicht des Berliner Kinder- und Jugendmediziners Frank Jochum vom Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau besteht das Hauptproblem stark verarbeiteter Lebensmittel darin, dass sie eine hohe Energiedichte haben und Zusatzstoffe und Aromen diese gleichzeitig sehr schmackhaft machen. "Da passiert es eben schnell, dass man mehr isst, als man Hunger hat." Dazu trägt nach Angaben von Graf bei, dass viele dieser Lebensmittel einfach zu verzehren sind und nicht lange gekaut werden müssen, sodass man innerhalb kurzer Zeit viele Kalorien zu sich nimmt. Wer regelmäßig zu viele dieser Lebensmittel isst, kann also dick werden. Laut dem Kinderhilfswerk Unicef ist jeder vierte junge Mensch zwischen 5 und 19 Jahren in Deutschland übergewichtig, 8 Prozent gelten sogar als adipös . Unicef sieht die "allgegenwärtige Präsenz und Vermarktung stark verarbeiteter Lebensmittel" als einen der Gründe für die global gestiegene Zahl fettleibiger Kinder an. BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche: Wie viele Kilos sind gesund? Übergewicht wiederum erhöht Jochum zufolge das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen, darunter Typ-2-Diabetes , Arthrose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er betont, dass dies im Kinderalter noch eine viel größere Dimension habe als im Erwachsenenalter. "Denn bei den Kindern kommt im Vergleich zu den Erwachsenen eine weitere Komponente hinzu, nämlich die Beeinträchtigung von Wachstum und Entwicklung." Welche Folgen hat das für die kindliche Entwicklung? Wer Übergewicht hat, bewegt sich in der Regel weniger. "Wenn ein Kind sich regelmäßig nicht ausreichend bewegt, dann wird dadurch auch die Entwicklung gestört", erläutert Jochum. Die motorische und die neurologische Entwicklung werde weniger angeregt, auch die intellektuelle und die psychische Entwicklung könne leiden. "Das hat Auswirkungen auf das gesamte zukünftige Leben." Kinder, die sich weniger bewegen, verbringen ihm zufolge mehr Zeit am Computer und Smartphone, was wiederum negative Folgen hat. "Sie vereinzeln vielleicht, haben einen höheren Hang zu Depressionen." Snacks und Fertiggerichte führten außerdem zu einem anderen Miteinander zu Hause, sagt er. "Die Zeiten, in denen in Familien wirklich gekocht und gemeinsam gegessen wird, werden seltener." Zudem seien die Mahlzeiten so beschaffen, dass man diese mühelos neben dem Computerspielen oder Fernsehgucken essen könne. Kann sich die Ernährung auf die psychische Gesundheit auswirken? Eine kanadische Studie sieht jedenfalls Hinweise darauf, dass der Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln in der frühen Kindheit die Verhaltens- und emotionale Entwicklung negativ beeinflussen kann. Dafür untersuchte das Forschungsteam die Ernährungsgewohnheiten von fast 2.100 Kindern im Alter von drei Jahren und deren Verhalten im Alter von fünf Jahren. Dabei zeigte sich, dass kleine Kinder, die mehr stark verarbeitete Lebensmittel aßen, später vermehrt Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Die Fachleute folgern daraus, dass eine gesündere Ernährung sich langfristig vorteilhaft auf die psychische Gesundheit auswirken könnte. "Gesundes Essen ist immer gut", sagt Christine M. Freitag, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Frankfurter Universitätsklinikum. "Aber eine psychische Störung kann man nicht allein durch gesundes Essen verhindern. Da gibt es zahlreiche weitere Risikofaktoren." Kritisch sieht sie, dass die Studie nicht untersucht hat, ob bei den Kindern auch genetische Faktoren eine Rolle gespielt haben könnten oder ob die Eltern selbst an psychischen Störungen litten. Wie Freitag erläutert, sei nämlich etwa bei Eltern mit ADHS die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Alltag zu Hause unstrukturierter und weniger geplant ablaufe, wodurch mehr Fertiggerichte auf den Tisch kommen könnten. Zugleich hätten die Kinder selbst ein höheres ADHS-Risiko. "Betroffene Kinder essen oft schlechter." Auch Eltern mit Depressionen hätten Probleme, den Alltag zu bewältigen und ihren Kindern ausgewogene Mahlzeiten zuzubereiten. Wie eindeutig ist die Forschungslage? Dass stark verarbeitete Lebensmittel, die viel Salz, Zucker, Fette und Zusatzstoffe enthalten, ungesund sind, darin sind sich viele Fachleute einig. Doch welche Krankheiten diese genau begünstigen können, ist noch unklar. "Tatsächlich weiß man leider noch gar nicht so viel über die Mechanismen", sagt Graf. Dazu müsse man laut der Ernährungsexpertin mehr Interventionsstudien machen, bei denen etwa eine Gruppe von Testpersonen gezielt eine bestimmte Menge stark verarbeitete Lebensmittel über einen festgelegten Zeitraum bekomme. Danach müssten Parameter wie Blutdruck, Körpergewicht, Blut- und Urinproben mit denen einer Kontrollgruppe verglichen werden, die in dieser Zeit keine stark verarbeiteten Lebensmittel zu essen bekomme. Nach Ansicht von Jochum sollte sich die Forschung zudem mehr auf das gesamte Lebensmittel konzentrieren als auf die einzelnen Inhaltsstoffe. "Es spielt nicht nur eine Rolle, wie viele Aminosäuren oder Proteine es zum Beispiel enthält. Man muss auch die Wechselwirkungen der Inhaltsstoffe genauer betrachten, welche Auswirkungen etwa Aromastoffe auf die Verzehrmenge haben und wie die Textur dazu beiträgt."
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