Fructose steckt in zahllosen Lebensmitteln und ist vielleicht gefährlicher, als viele denken: Forscher sind überzeugt, dass sie Fettleibigkeit und andere Krankheiten begünstigt. Die natürliche Süße von Früchten kann so ungesund nicht sein – oder? Diese Vorstellung ist nach wie vor weitverbreitet. Dabei hat der gute Ruf von Fruchtzucker längst Kratzer bekommen: Schon seit den 2000er-Jahren steht Fructose im Verdacht, zur Entstehung des metabolischen Syndroms , von Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit beizutragen, und zwar stärker als andere Zucker. Eine neue Analyse im Fachmagazin "Nature Metabolism" verleiht dieser Sorge nun Nachdruck. Die Autoren beschreiben, dass Fructose im Stoffwechsel anders verarbeitet wird als andere Zucker. Der Körper wandelt sie leichter in Fett um, was das Risiko für besagte Krankheiten erhöht. Zucker ist nicht gleich Zucker Bei der neuen Studie handelt es sich um eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit, ein Review. Das bedeutet, die Autoren selbst haben keine neuen Experimente durchgeführt, sondern vorhandene Forschungsergebnisse zusammengetragen und systematisch ausgewertet. Dabei wollten sie eine zentrale Frage klären: Wie beeinflussen gängige Zuckerarten die Gesundheit? Im Fokus des Vergleichs standen Glucose und Fructose. Zum Verständnis: Glucose (Traubenzucker) ist ein sogenannter einfacher Zucker. "Einfach" heißt, dass der Zucker aus nur einem einzelnen Molekül besteht und vom Körper schnell aufgenommen werden kann. Bei der Verdauung werden komplexere Kohlenhydrate aus Lebensmitteln wie Brot, Nudeln oder Obst zu Glucose abgebaut. Diese gelangt dann ins Blut. Von dort nehmen viele verschiedene Zellen sie auf und nutzen sie als Energiequelle. Ein Teil der Glucose wird außerdem in Form von Glykogen gespeichert, vor allem in der Leber und in den Muskeln. Fructose ist ebenfalls ein einfacher Zucker. Anders als Glucose verarbeitet der Körper Fructose vor allem in der Leber. Dort kann sie entweder zur Energiegewinnung genutzt oder in andere Stoffe umgewandelt werden. Wenn die Leber sehr große Mengen zugeführt bekommt, wandelt sie einen Teil davon in Fett um, das sich dann im Organ ansammelt. Der Körper kann also sowohl Glucose als auch Fructose in Fett umwandeln, wenn mehr Energie aufgenommen wird, als er braucht. Bei Glucose passiert das aber meist erst später. Zunächst gewinnen die Zellen aus ihr Energie oder Leber und Muskeln speichern sie. Erst wenn diese Reserven voll sind und weiterhin viel Energie vorhanden ist, wird überschüssige Glucose in Fett umgewandelt. Fructose gelangt dagegen fast vollständig in die Leber und wird dort verarbeitet. Zwar ist auch sie ein Energielieferant. Allerdings kann die Leber Fructose vergleichsweise leicht in Fett umwandeln, besonders wenn größere Mengen auf einmal ankommen. Hohe Ballaststoffzufuhr: Das passiert, wenn Sie jeden Tag Haferflocken essen Xylit, Stevia & Co.: Süßungsmittel bei Diabetes – sinnvoll oder riskant? Zu viel Leberfett ist ungesund Genau das halten die Forscher für problematisch. Denn Fett in der Leber kann den Zucker- und Fettstoffwechsel stören und so die Entstehung von Diabetes, des metabolischen Syndroms und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorantreiben. Hinzu kommt: Beim Abbau von Fructose verbrauchen die Zellen zunächst viel Energie. Werden größere Mengen auf einmal verarbeitet, können ihre Energiereserven kurzfristig sinken. Dabei entstehen außerdem Stoffe, von denen einige möglicherweise Prozesse auslösen, die mit Entzündungen und anderen Stoffwechselstörungen zusammenhängen. Der Studienautor Richard Johnson resümiert: "Fructose ist nicht einfach nur eine weitere Kalorie. Sie wirkt als metabolisches Signal, das die Produktion und Speicherung von Fett auf eine Weise fördert, die sich grundlegend von der Wirkung von Glucose unterscheidet." Körper kann Fructose auch selbst bilden Verfügt der Körper über viel Glucose – etwa nach einer sehr zucker- oder kohlenhydratreichen Mahlzeit –, kann er einen Teil davon in Fructose umwandeln. Das bedeutet: Selbst wenn Menschen nur wenig Fructose direkt über Lebensmittel aufnehmen, kann der Körper unter bestimmten Bedingungen trotzdem Fructose im Stoffwechsel bilden. Dadurch könnte sie auch dann eine Rolle bei Stoffwechselkrankheiten spielen, wenn man sie nicht direkt über die Nahrung aufnimmt. Heißt das, Obst ist ungesund? Früchte enthalten Fructose, jedoch in vergleichsweise kleinen Mengen und zusätzlich zu Ballaststoffen, Vitaminen und anderen Nährstoffen. Ballaststoffe sorgen dafür, dass der Zucker langsamer aus dem Darm ins Blut gelangt. So wird die Fructose gleichmäßiger verarbeitet und kommt nicht in großen Mengen auf einmal in der Leber an. Wer weniger Fructose zu sich nehmen möchte, sollte also nicht Obst vermeiden, sondern vor allem zuckerreiche Getränke wie Säfte, Soft- und Energydrinks sowie Süßigkeiten und stark gesüßte Produkte. Denn in diesen stecken in der Regel entweder Fructose selbst beziehungsweise Glukose-Fructose-Sirup (Isoglukose) oder Haushaltszucker (Saccharose). Letzterer besteht zur Hälfte aus Glucose und zur Hälfte aus Fructose und steckt in vielen Süßspeisen sowie in zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken.