Erkältung: So entscheidet die Nase über Schwere der Symptome

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Ob eine Erkältung mild bleibt oder heftig verläuft, entscheidet sich in den ersten Stunden der Infektion – und direkt in der Nase. Das berichten Forscher aus den USA. Ein harmloser Schnupfen für die einen, tagelange Atemprobleme für die anderen: Selbst bei demselben Erkältungsvirus verläuft die Krankheit sehr unterschiedlich. Woran das liegt, haben Wissenschaftler jetzt aufgedeckt: Die Entscheidung über die Symptomschwere hängt demnach stark von unserer Nase ab. Denn schon beim Eindringen eines Erkältungsvirus stellt die Nasenschleimhaut die Weichen für den weiteren Verlauf. Das Forscherteam der Yale School of Medicine hat erstmals genau beobachtet, wie Nasenzellen auf Rhinoviren reagieren. Rhinoviren verursachen rund die Hälfte aller Erkältungen . Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift "Cell Press Blue" veröffentlicht. Nase als erste Verteidigungslinie Im Mittelpunkt der Untersuchung stand das Nasenepithel. Damit ist die Zellschicht gemeint, die das Innere der Nase auskleidet und als erste Barriere gegen Krankheitserreger dient. Die Forscher züchteten dieses Gewebe aus menschlichen Stammzellen im Labor nach. So entstand eine Schleimhaut mit verschiedenen Zelltypen, etwa schleimproduzierenden Zellen und solchen mit Flimmerhärchen. Diese feinen Härchen transportieren Schleim und eingeschlossene Erreger nach außen. Anschließend infizierte das Team das künstliche Nasengewebe mit Rhinoviren und beobachtete, wie Tausende Zellen gleichzeitig reagierten. Der Fokus lag auf der Geschwindigkeit der Abwehr. Schnupfen und Halsschmerzen : Wann kann ich noch zur Arbeit? Erkältung: Wie Sie den Infekt schnell wieder loswerden Interferone stoppen das Virus Als entscheidend erwiesen sich sogenannte Interferone. Dabei handelt es sich um Botenstoffe des Immunsystems. Nasenzellen schütten sie aus, sobald sie ein Virus erkennen. Interferone warnen benachbarte Zellen und verhindern, dass Viren in diese eindringen oder sich dort vermehren. Reagierte die Schleimhaut schnell, blieb die Infektion stark begrenzt. Weniger als zwei Prozent der Zellen infizierten sich. Für Betroffene bedeutet das oft keine Symptome oder nur ein leichtes Schniefen. Blockierten die Forscher diese frühe Interferon-Antwort jedoch experimentell, breitete sich das Virus rasch aus. Rund 30 Prozent der Zellen infizierten sich, viele wurden geschädigt oder starben ab. Studienleiterin Ellen Foxman erklärte, wie groß der Unterschied ist: Nicht das Virus selbst bestimme den Verlauf, sondern die Reaktion des Körpers darauf. Eine schnelle Abwehr halte die Infektion klein, eine verzögerte lasse sie eskalieren. Wenn die Abwehr zu spät kommt Vermehrten sich die Viren ungehindert, startete eine zweite Reaktionskette: Die Zellen produzierten große Mengen Schleim und entzündliche Botenstoffe. Entzündung bedeutet in diesem Zusammenhang eine starke Aktivierung des Immunsystems, die Gewebe reizt und anschwellen lässt. Das kann die Atmung erschweren und erklärt, warum manche Menschen bei einer Erkältung stark leiden und sogar Atemprobleme entwickeln. Die Forscher beobachteten diese Effekte sogar ohne Beteiligung klassischer Immunzellen. Allein die Zellen der Nasenschleimhaut reichten aus, um entweder Schutz oder schwere Symptome auszulösen. Noch ist unklar, warum die Interferon-Antwort bei manchen Menschen langsamer oder schwächer ausfällt. Mögliche Gründe sind genetische Unterschiede oder Vorerkrankungen wie Asthma und chronische Lungenkrankheiten. Künftige Studien an Patienten sollen das klären. Die Erkenntnisse eröffnen jedoch neue Perspektiven: Statt nur Viren zu bekämpfen, könnten künftige Medikamente gezielt die Abwehr in der Nase stärken oder überschießende Entzündungen bremsen. Denkbar wären etwa Nasensprays, die eine schnelle Schutzreaktion unterstützen.
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