Gefährlich ist nur der Sonnenbrand und im Schatten ist man sicher – stimmt das? Lesen Sie, welche Irrtümer Ihr Hautkrebsrisiko erhöhen. Laut der Stiftung Deutsche Krebshilfe erhalten in Deutschland jedes Jahr rund 372.000 Menschen die Diagnose Hautkrebs. Er ist damit eine der häufigsten Krebserkrankungen. Besonders gefährlich ist der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom), da er rasch Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden und sich im Körper ausbreiten kann. Den Krebsexperten zufolge trat der schwarze Hautkrebs in den vergangenen Jahren immer häufiger auf. Wie Sie Ihre Haut schützen und welche Irrtümer Sie kennen sollten. Was ist Hautkrebs? Es gibt verschiedene Hautkrebsarten. Angaben der Stiftung Deutsche Krebshilfe zufolge erhalten in Deutschland jährlich etwa 443 von jeweils 100.000 Menschen die Diagnose Hautkrebs. Bei etwa 386 Menschen handelt es sich um weißen Hautkrebs. Dieser teilt sich in Basalzell- und Plattenepithelkarzinome. Beide Formen des hellen Hautkrebses sind fast immer heilbar. Die übrigen erkranken an dem besonders bösartigen malignen Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt. Melanome können bereits früh Metastasen bilden und dann oft nicht mehr geheilt werden. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit ist ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs. Hierum ranken sich viele Mythen. Mythos 1: Gefährlich ist nur Sonnenbrand Dass nur Sonnenbrand der Haut schadet, ist ein Irrtum. Sobald die Haut bräunt, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haut in Gefahr ist. Mit der Bildung des Farbpigments Melanin versucht der Körper, einen Schutz vor den krebserregenden Strahlen aufzubauen. Melanin legt sich um die Zellkerne, um das enthaltene Erbgut zu schützen. Die Bräunung der Haut zeigt somit eine hohe UV-Belastung an und birgt das Risiko für Zellschäden und Hautkrebs. UVA- und UVB-Strahlung schädigen Hautzellen auch ohne sichtbaren Sonnenbrand. Mythos 2: Braune Haut schützt vor UV-Strahlung Auch ist es ein Irrtum, dass gebräunte Haut ein Hautkrebsschutz ist. Je brauner die Haut ist, desto höher sind die UV-Belastung und das Risiko für DNA-Schäden. Der Lichtschutzfaktor von gebräunter Haut liegt der Stiftung Deutsche Krebshilfe zufolge ungefähr bei vier. Deshalb sollten Sie auch mit gebräunter Haut zu Sonnenschutzmitteln und -maßnahmen greifen. Auch das Vorbräunen im Solarium ist nicht zu empfehlen. Die Haut ist dort einer extremen Strahlenbelastung ausgesetzt, vergleichbar mit der Mittagszeit am Äquator. Solarien erhöhen das Krebsrisiko, warnen Krebsexperten und raten, ganz auf die Bräune von der Sonnenbank zu verzichten. Mythos 3: Bei bewölktem Himmel und im Schatten ist die Haut sicher Ein bewölkter Himmel oder ein Schattenplatz verspricht eine falsche Sicherheit. Zwar bieten Wolken und Schatten etwas Schutz vor UV-Strahlung, doch noch immer trifft ausreichend Strahlung auf die Haut. Wolken mindern die Intensität der UV-Strahlung um maximal zehn bis 50 Prozent, so die Krebshilfe. Und auch ein schattiges Plätzchen ist nicht sicher: Durch ein Blätterdach kann UV-Strahlung dringen, ebenso durch Fensterglas und Wasser. Helle Wände, Sand und Schnee reflektieren Sonnenlicht zusätzlich. Sonnenschutz ist daher Pflicht. Mythos 4: Sonnencreme schützt stundenlang Eincremen und den sonnigen Tag genießen? Ganz so einfach ist das nicht. Sonnencreme kann die UV-Licht-Belastung der Haut zwar senken, sie aber nicht vollständig schützen. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) können Sonnenschutzmittel UV-Strahlung nicht komplett blockieren und ersetzen daher keinesfalls andere UV-Schutzmaßnahmen. Das BfS empfiehlt einen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30. Aufenthalte in großen Höhen, auf Schnee, am Wasser und in sonnenreichen Regionen erfordern ein Sonnenschutzmittel mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor (50+). Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel länger man sich theoretisch mit einem Sonnenschutzmittel in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Angenommen, eine Person mit hellerer Haut kann zehn Minuten in der Sonne bleiben, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen (Eigenschutzzeit). Benutzt sie ein Sonnenschutzmittel mit LSF 30, kann sie theoretisch fünf Stunden draußen sein, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Rechnung: Zehn Minuten Eigenschutzzeit multipliziert mit LSF 30 = 300 Minuten. Dieser Wert ist allerdings nur ein Richtwert und kann je nach Hauttyp, Wetter , Schweißbildung, Wasser, Reibung und Menge des genutzten Produkts schwanken. Mythos 5: Muttermale sind harmlos – nur neue Flecken sind gefährlich Melanome können sich in bestehenden Leberflecken und Muttermalen bilden. Schätzungen zufolge entsteht etwa ein Drittel aller Melanome aus bestehenden Pigmentmalen. Daher ist es wichtig, die Haut insgesamt im Blick zu behalten und Veränderungen frühzeitig einem Hautarzt oder einer Hautärztin zu zeigen. Eine Orientierung bietet die ABCDE‑Regel: A wie Asymmetrie: Der Fleck ist nicht gleichmäßig. B wie Begrenzung: Der Rand ist unscharf und wirkt ausgefranst. C wie Color (Farbe): Der Fleck zeigt verschiedene Farben, etwa Schwarz, Braun, Rot und Weiß. D wie Durchmesser: Der Fleck ist größer als fünf Millimeter (– oder kleiner, mit auffälliger Entwicklung). E wie Entwicklung: Der Fleck verändert sich in Größe, Form, Farbe oder wird erhaben. Aufmerksam sollten Sie auch dann werden, wenn das Pigmentmal juckt, blutet oder nässt oder Hautstellen nicht abheilen. Regelmäßige Hautkrebsscreenings in einer dermatologischen Praxis helfen, bösartige Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Im Rahmen der Hautkrebs-Früherkennung bieten die gesetzlichen Krankenkassen Frauen und Männern ab 35 Jahren alle zwei Jahre eine standardisierte Untersuchung der gesamten Körperoberfläche an. Die Haut vor UV-Strahlung schützen – 6 Tipps Schützen Sie Ihre Haut vor zu viel UV-Licht: Meiden Sie die Mittagssonne zwischen 11 und 16 Uhr. Tragen Sie dicht gewebte, langärmelige Kleidung, eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille mit UV-Schutz. Verwenden Sie Sonnencreme mit LSF 30 bis 50 und tragen Sie diese großzügig auf. Frischen Sie den Schutz regelmäßig auf, etwa nach dem Baden oder bei starkem Schwitzen. Denken Sie auch im Schatten, bei bewölktem Himmel, am Fenster, am Wasser, im Schnee und im Gebirge an UV-Schutz. Verzichten Sie auf Solarien und gleichen Sie einen eventuellen Vitamin-D-Mangel über ärztlich empfohlene Medikamente aus. Prüfen Sie Ihre Haut regelmäßig und lassen Sie Auffälligkeiten zeitnah abklären. Nutzen Sie das Hautkrebsscreening. Die Haut vergisst nichts Die Summe aller UV-Dosen über die Jahre zählt. Je mehr Sonne die Haut im Laufe des Lebens ausgesetzt ist, desto größer ist das Hautkrebsrisiko. Wer in jungen Jahren häufig lange Sonnenbäder nimmt, erhöht nachweislich sein späteres Hautkrebsrisiko. Ungeschützte Haut wird durch UV-Strahlen der Stiftung Deutsche Krebshilfe zufolge "sofort und tiefgehend geschädigt". Bis zu einem gewissen Grad könne der Körper dies ausgleichen. Jedoch bestehe die Gefahr, dass geschädigte Zellen in der Haut verbleiben und der Hautkrebs teilweise erst Jahrzehnte später entsteht. Kinderhaut ist besonders empfindlich Laut dem Krebsinformationsdienst (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die Haut von Kindern besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Wer als Kind oder in der Jugend mehrfach schwere Sonnenbrände hatte, habe ein besonders hohes Risiko, dass später schwarzer Hautkrebs entstehe, warnen die Experten.