Dieses Virus plagt weltweit Millionen Menschen und bleibt meist lebenslang im Körper. Es bricht aus bei Stress oder Infekten und ist dann hochansteckend. Schützen geht vor Heilen. Eine Weile Stress oder wenig Schlaf, vielleicht ein Infekt – und schon ist er da – der Herpes. Davor spürt man vielleicht ein leichtes Brennen oder Kribbeln. Die betroffene Hautregion (gern rund um die Lippen) erweist sich als empfindlich gegen Berührungen und fühlt sich gespannt an, dann erblühen die kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen. Die können schmerzhaft sein und nach ein paar Tagen aufplatzen. Dann verkrusten die befallenen Stellen und heilen allmählich ab. Das Zurück zur schönen Lippe nimmt schon mal sieben bis vierzehn Tage in Anspruch. In der Bläschen-Zeit ist man hochinfektiös und sollte sich bei oralen Kontakten zu Mitmenschen besser zurückhalten. Allerdings hat ja schon die optische Anmutung Abstandspotenzial ("Was hat die/der denn da am Mund?!"). Ein Kuss reicht schon aus Die negative Mund-Propaganda ist nur äußeres Anzeichen der Auseinandersetzung unseres Immunsystems mit dem Virus (bei den Lippen meist Typ 1 des Herpes-simplex-Virus), bei dem das Immunsystem nun mal den Kürzeren gezogen hat. Die Nachricht, dass diese Art Infektion weltweit Millionen Menschen betrifft, bietet wenig Trost. Die Viren werden bei direktem Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen, und zwar nicht durch mangelnde Körperhygiene, wie lange gern angenommen wurde, sondern auch bereits beim liebevollen Küsschen oder gegebenenfalls sogar durch die gemeinsame Benutzung von Löffeln, Gläsern oder Lippenpflegeprodukten. Heilbar ist die Infektion nicht Oft tragen Betroffene das Virus schon jahrelang in sich, ohne jemals Beschwerden gehabt zu haben. Irgendwann reichen dann etwa hormonelle Veränderungen, UV-Strahlung, Fieber oder veränderte, vielleicht irritierende Lebensumstände und es geht los. Das sollte sich jeder vor Augen halten: Die Angst vor sozialer Ächtung oder gar Isolation ist kein guter Ratgeber. Herpes kann jeden treffen. Eine bestimmte genetische Konstellation begünstigt das häufigere, gar monatliche Aufflammen. Wichtig ist es zu wissen, dass die Infektion an sich nicht heilbar ist, sich aber meist ganz gut kontrollieren lässt. Voraussetzung ist ein gutes Zusammenwirken von dermatologischer Behandlung und engagierter persönlicher Vorbeugung – entscheidend ist ein möglichst früher Therapiebeginn bereits im Kribbelstadium, um den Ausbruch abzuschwächen. Das sind die Therapieoptionen: Antivirale Gele oder Cremes (z. B. Aciclovir oder Penciclovir) sollten fünfmal täglich über 5 bis 7 Tage angewendet werden. Bei schweren, sehr schmerzhaften oder häufigen Verläufen kommen antivirale Tabletten (z. B. Aciclovir, Valaciclovir) zum Einsatz, die die Dauer und Schwere der Symptome verkürzen. Zinksulfat kann ebenfalls antiviral, lokal austrocknend und wundheilungsfördernd wirken. Die Aminosäure L-Lysin (3 Gramm) wird häufig eingesetzt. Sie kann die Verfügbarkeit von Arginin verringern, das die Viren für ihre Vermehrung benötigen. Lysin und Arginin konkurrieren dabei um dieselben Transportwege im Körper. Ein besonderes Augenmerk sollte aber auf einem stabilen Immunsystem liegen. Alles andere kann helfen, aber nur die körperlichen Abwehrkräfte können das Herpesvirus in Schach und Betroffene beschwerdefrei halten. Sind sie fit und vital, hat auch das Virus keine Chance. Deshalb wird besonders auf einen gesunden, bewussten Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung hingewiesen. Wichtig sind dabei die Vitamine C, etwa in Paprika, Zitrusfrüchten oder Brokkoli, und Vitamin D , etwa aus fettem Fisch wie Makrele oder Lachs und guten Supplements, etwa 2.000–3.000 I.E. pro Tag bei Erwachsenen, plus Vitamin K2, individuell angepasst. Außerdem Zink (in Meeresfrüchten, Nüssen oder Samen), Selen und Eisen bei nachgewiesenem Mangel. B-Vitamine sollten gemessen und gezielt aufgefüllt werden. Ein bewährter Helfer ist auch ein Hitzestift zum Aufdrücken aus der Apotheke zur frühzeitigen Anwendung. Für eine beschleunigte Wundheilung bieten Hersteller nach dem Prinzip der feuchten Wundheilung durchsichtige Hydrocolloid-Pflaster an. Achten Sie auf ausreichend Schlaf, denn in dieser Phase produziert der Körper Stoffe, die Entzündungen und Infektionen entgegenwirken. Bei Tag ist ein moderates, der persönlichen Lebenssituation angepasstes Maß an Bewegung sehr hilfreich. Wer bereits vom Herpes angegriffen ist, sollte es mit körperlichen Anstrengungen aber auch nicht übertreiben. Nehmen Sie unbedingt viel (alkoholfreie!) Flüssigkeit zu sich und verzichten Sie aufs Rauchen. Frauen sind anfälliger als Männer Aber die Herpesviren fahren nicht nur über den Mund, manchmal machen sie es sich auch rund um die Geschlechtsorgane gemütlich: Bei Genitalherpes erfolgt die Ansteckung oft bei ungeschützten Sexualkontakten, aber auch bei gemeinsamer Benutzung von Sexspielzeugen. Vorwiegend aktiv ist hier das Herpes-simplex-Virus Typ 2, seltener auch Typ 1, das zum Beispiel durch Oralverkehr auch "untenrum" heimisch werden kann, und das ebenfalls nach der Ansteckung lange Zeit unentdeckt bleiben kann. Die übergroße Mehrheit der Infizierten hat keine oder nur schwache Symptome. Wer behauptet, sich das Leiden auf einem öffentlichen WC oder im Umgang mit dem Gemeinschaftshandtuch eingefangen zu haben, hat meist etwas zu verbergen. Zwischen zehn und fünfzehn Prozent der Deutschen sollen das Virus mit sich herumtragen, dabei gelten Frauen als anfälliger als Männer. Klar ist, dass der häufige Wechsel der Sexualpartner die Trefferquote erhöhen kann. Und ähnlich wie beim Lippenherpes sind andauernde körperliche oder seelische Belastungen, aber auch Sonnenlicht (Sie haben bestimmt schon den skurrilen Trend der Genitalbesonnung auf Social Media entdeckt) und Verletzungen der Haut gut geeignet, die ganze Sache zu befeuern. Die psychische Belastung kommt hinzu Typische Symptome sind auch hier Ansammlungen der charakteristischen kleinen Bläschen und schmerzhafte Entzündungen der Haut. Bevorzugter Ansiedlungsort sind die Schamlippen, die Scheide und der Gebärmutterhals bei Frauen, bei den Herren der Penis, die Vorhaut und der Hodensack. In manchen Fällen breiten sich die Bläschen an der Innenseite der Oberschenkel oder im Analbereich aus. Das sind auch die Stellen, an denen sich der Ausbruch des Genitalherpes besonders schmerzhaft ankündigt, um dann manchmal sogar in Fieber, Muskelschmerzen oder allgemeine Erschöpfung überzugehen. Schwierigkeiten beim Wasserlassen und geschwollene Lymphknoten in der Leistengegend können auf Genitalherpes hinweisen. All diese Schmerzempfindungen sind beim ersten Auftreten besonders heftig. Bis zur Abheilung vergehen ungefähr zwei bis drei Wochen. In der Schwangerschaft können die Viren auf das Kind übertragen werden. Die Ärzte raten dann nicht selten zu einem Kaiserschnitt, um das Kind zu schützen. Auch nach Abheilung kann es noch über Wochen zu einer Virusübertragung kommen, insbesondere bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Offener und sachlicher Umgang Bei Unsicherheit hilft ein Abstrich der befallenen Hautregion, damit im Labor Gewissheit hergestellt werden kann. Behandelt wird der Genitalherpes dann mit denselben Medikamenten wie der Lippenherpes. Sie sind virushemmend, können die Beschwerden lindern und den Verlauf verkürzen. Die psychische Belastung einer Genitalherpes-Erkrankung ist ungleich höher als beim Lippenherpes. Egal, ob man in einer festen Beziehung lebt oder gerade auf Partnersuche ist – eine "Geschlechtskrankheit" ist in keiner Situation ein angenehmes Thema. Doch so schwer es fällt: Ein offener, sachlicher Umgang kann entlasten und psychischen Stress reduzieren. Bleiben Sie achtsam und kommen Sie gesund durch die Woche