Viren verändern sich stetig. So kann es passieren, dass Tierkrankheiten irgendwann auf den Menschen übergehen. Forscher sehen vor allem bei zwei Virusarten ein akutes Risiko. Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie schnell sich ein unbekanntes Virus weltweit ausbreiten und schwere Gesundheitskrisen auslösen kann. Doch die Erwartung, sich fortan besser auf virale Bedrohungen vorzubereiten, wird laut einer aktuellen Studie der Universität Florida nicht erfüllt. Denn zwei Viren – das Influenza-D-Virus und das Canine Coronavirus (CCoV-HuPn-2018) – könnten sich in Zukunft zu ernsthaften Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit entwickeln, schreiben die Autoren. Die Studie wurde kürzlich in "Emerging Infectious Diseases" veröffentlicht, der Fachzeitschrift der U.S. Centers for Disease Control and Prevention. Viren bergen Pandemie-Potenzial Dem Forscherteam zufolge sind sowohl das Influenza-D-Virus als auch das Canine Coronavirus eine aufkommende Gefahr für den Menschen. Allerdings mangelt es an einer guten Überwachung sowie Diagnosemöglichkeiten für die Atemwegsviren. John Lednicky, Co-Autor der Studie und Forschungsprofessor an der Universität Florida, erklärt in einer Pressemeldung zur Studie: "Sollten diese Viren die Fähigkeit entwickeln, sich leicht von Mensch zu Mensch zu übertragen, könnten sie Epidemien oder Pandemien auslösen, da die meisten Menschen keine Immunität gegen sie besitzen." Dennoch werde gegen die Viren bisher wenig unternommen, um auf Infektionen zu reagieren oder sie zu verhindern. Das Forscherteam fordert daher eine verbesserte Virusüberwachung, zuverlässigere Tests sowie mehr Forschung zu Behandlungen und möglichen Impfstoffen. Auch der Gesundheitsexperte Hajo Zeeb, der selbst nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnet auf Anfrage von t-online die bisherigen Erkenntnisse zu beiden Viren als "frühe Warnung". Besonders das Influenza-D-Virus sei ein Hauptkandidat für neue Pandemien – und das schon länger. Zeeb ist Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. Influenza-D-Infektion bei Tierhaltern weitverbreitet Das Influenza-D-Virus (IDV) wurde erstmals 2011 bei Schweinen und Rindern entdeckt. Seither hat sich das Virus in einer Vielzahl von Tieren verbreitet, darunter in Kamelen, Rehen und Giraffen. Doch auch Menschen scheinen sich bereits mit dem Virus infiziert zu haben: Studien ergaben, dass in einigen Gegenden der USA 97 Prozent der Rinderhalter Antikörper gegen das Influenza-D-Virus aufweisen, so die Autoren der aktuellen Analyse. Bislang verursachen die Infektionen keine Krankheitssymptome. Die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass das Influenza-D-Virus die Merkmale eines Virus aufweist, das zu einer schnellen Evolution neigt. Tatsächlich habe ein kürzlich in China isolierter Stamm des Influenza-D-Virus die Fähigkeit zur Übertragung von Mensch zu Mensch entwickelt. Epidemiologe Zeeb weist darauf hin, dass eine bessere Überwachung des Virus notwendig sei, vor allem, sobald Infektionen über China hinaus beim Menschen nachgewiesen werden. Canines Coronavirus mit Lungenentzündungen assoziiert Anders sieht es beim Caninen Coronavirus aus. Es wird bereits mit schweren Lungenentzündungen und Krankenhausaufenthalten beim Menschen in Verbindung gebracht, so die Studienautoren. Allerdings gebe es bislang keine diagnostischen Tests, die routinemäßig durchgeführt werden, sodass das Ausmaß, in dem das Virus die Gesamtbevölkerung betrifft, nicht bekannt ist. Bisher wurden die meisten Fälle bei Menschen in asiatischen Ländern entdeckt, darunter Thailand , Vietnam und Indonesien . Mangelnde Forschung macht Vorhersagen schwer "Unser Wissen über die Epidemiologie und die klinischen Manifestationen dieser Viren beschränkt sich auf eine geringe Anzahl von Forschungsstudien", schreiben die Autoren. "Dennoch deuten die wenigen Daten zu diesen neuartigen Viren darauf hin, dass sie eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen." Abschließend verweisen die Studienautoren auf ein Zitat von Schriftsteller Stephen King, der ein altes Sprichwort adaptierte, um die menschliche Neigung zu veranschaulichen, vergangene Fehler zu ignorieren: "'Täusche mich einmal, Schande über dich. Täusche mich zweimal, Schande über mich. Täusche mich dreimal, Schande über uns beide.' Bei der Vorbereitung auf nächste Pandemien täten wir gut daran, seinen Rat zu beherzigen."