Kaffee und Blutdruck: Wie viele Tassen pro Tag bleiben unbedenklich?

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Kaffee gehört für viele fest zum Alltag – auch bei erhöhtem Blutdruck. Doch wie stark beeinflusst Koffein die Blutdruckwerte, und wie viel Kaffee gilt noch als gesund? Kaffee begleitet den Menschen seit mehr als 600 Jahren und zählt heute zu den beliebtesten Getränken weltweit. In Deutschland trinken viele Menschen täglich mehrere Tassen. Doch bei erhöhtem Blutdruck stellt sich die Frage, ob Kaffee dem Herzen schadet oder weiterhin erlaubt bleibt. Was hoher Blutdruck bedeutet Der Blutdruck beschreibt die Kraft, mit der das Blut gegen die Wände der Arterien drückt. Er wird in zwei Werten gemessen: Der obere Wert heißt systolischer Blutdruck und entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Körper pumpt. Der untere Wert, der diastolische Blutdruck , entsteht in der Entspannungsphase des Herzens, wenn es sich wieder mit Blut füllt. Als normal gelten Werte unter 120 zu 80 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Erreichen die Werte dauerhaft 140 zu 90 mmHg oder mehr, sprechen Mediziner von Bluthochdruck , auch Hypertonie genannt. Diese Erkrankung verursacht meist keine Beschwerden, erhöht aber unbehandelt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Nieren- und Herzerkrankungen deutlich. Rund 30 Prozent der Erwachsenen leben mit Bluthochdruck. Etwa die Hälfte weiß nichts davon, und bei vielen Betroffenen bleibt der Blutdruck trotz Medikamenten nicht ausreichend eingestellt . So wirkt Kaffee auf den Blutdruck Koffein wirkt als anregende Substanz auf Muskeln und Nerven. Bei manchen Menschen steigert es die Herzfrequenz und kann Herzrhythmusstörungen begünstigen. Zusätzlich regt Koffein die Nebennieren an, Adrenalin auszuschütten. Dieses Stresshormon lässt das Herz schneller schlagen und verengt die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck ansteigt. Der Koffeinspiegel im Blut erreicht seinen Höhepunkt etwa 30 Minuten bis zwei Stunden nach dem Kaffeetrinken. Die Halbwertszeit liegt zwischen drei und sechs Stunden. Das bedeutet, dass sich die Koffeinmenge im Blut in diesem Zeitraum etwa halbiert. Wie schnell das geschieht, hängt vom Alter, der genetischen Veranlagung und vom regelmäßigen Kaffeekonsum ab. Studien zeigen, dass Kaffee den systolischen Blutdruck kurzfristig um etwa 3 bis 15 mmHg und den diastolischen um 4 bis 13 mmHg erhöhen kann. Menschen mit bereits erhöhtem Blutdruck reagieren darauf oft empfindlicher. Hoher Blutdruck oder hoher Puls: Was ist schlimmer? Mehr als nur Koffein Kaffee enthält neben Koffein Hunderte sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, auch Phytochemikalien genannt. Diese Stoffe beeinflussen Geschmack, Aroma und teilweise auch die Gesundheit. Bestimmte Phytochemikalien wie Melanoidine unterstützen die Regulation des Flüssigkeitshaushalts und beeinflussen Enzyme, die den Blutdruck steuern. Quinsäure verbessert nachweislich die Funktion der Gefäßinnenwände. Dadurch können sich Blutgefäße besser an Druckveränderungen anpassen, was sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck senken kann. Erhöht Kaffee das Risiko für Bluthochdruck? Große Übersichtsarbeiten mit mehreren Hunderttausend Teilnehmern zeigen keinen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Kaffeekonsum und einem erhöhten Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken. Das gilt unabhängig von Geschlecht, Kaffeemenge, Koffeingehalt oder Rauchgewohnheiten. Eine langfristige Studie aus Japan weist jedoch auf ein erhöhtes Risiko hin, wenn Menschen mit sehr starkem Bluthochdruck täglich zwei oder mehr Tassen Kaffee trinken. Bei Personen mit normalen Blutdruckwerten oder nur leicht erhöhtem Blutdruck zeigte sich dieses Risiko nicht. Fazit Menschen mit Bluthochdruck müssen nicht grundsätzlich auf Kaffee verzichten. Entscheidend sind die Höhe des Blutdrucks, die individuelle Reaktion auf Koffein und die konsumierte Menge. Bis zu vier Tassen Kaffee pro Tag gelten für viele als moderat. Wer sehr hohe Blutdruckwerte hat, sollte die Menge auf eine Tasse begrenzen oder auf entkoffeinierten Kaffee ausweichen. Wichtig bleibt, den eigenen Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren, Koffein nicht vor Messungen zu trinken und Kaffee am Nachmittag zu meiden, um den Schlaf nicht zu stören. Wer seine Risikofaktoren kennt und bewusst konsumiert, kann Kaffee weiterhin genießen – auch mit erhöhtem Blutdruck.
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