Brot, Fleisch, Soßen – Konservierungsstoffe findet man in sehr vielen Lebensmitteln. Sie verlängern deren Haltbarkeit, könnten aber auch das Krebsrisiko erhöhen, wie Studien zeigen. Konservierungsstoffe verlängern die Haltbarkeit von Lebensmitteln, indem sie das Wachstum von Mikroorganismen wie Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen hemmen. Aufgrund dieser nützlichen Eigenschaft stecken sie heute in vielen verarbeiteten Produkten. Doch wer regelmäßig bestimmte Konservierungsstoffe zu sich nimmt, könnte häufiger an Prostatakrebs oder Diabetes erkranken. Zu diesem Schluss kommen zwei neue Studien aus Frankreich , die kürzlich in den Zeitschriften "British Medical Journal" und "Nature Communications" veröffentlicht wurden. Diese Konservierungsstoffe sind besonders kritisch Für die Studien werteten die Forscherinnen und Forscher über einen Zeitraum von mehreren Jahren Daten von mehr als 100.000 Menschen aus. Sie kommen unter anderem zu dem Schluss, dass der Konsum verschiedener Konservierungsstoffe, etwa von Sorbaten, Sulfiten und Nitriten, mit einer höheren Häufigkeit von Krebserkrankungen verbunden ist. Am deutlichsten war das bei folgenden Konservierungsmitteln: Bei Natriumnitrit (E250), das für die Konservierung von Fleisch- und Wurstwaren eingesetzt wird und das Risiko von Prostatakrebs um etwa ein Drittel erhöht. Kaliumsorbat (E202) hat den Studien zufolge das Diabetesrisiko verdoppelt. Es ist typischerweise in abgepacktem Schnittbrot, Käse, Wurstwaren, Fleisch- und Fischerzeugnissen, Fertigsoßen, Fertigsuppen, Milchprodukten, Fruchtjoghurt, Fruchtaufstrich und Trockenobst enthalten. Warum sind einige Konservierungsstoffe schädlich? Für die meisten Konservierungsstoffe gibt es einen sogenannten ADI-Wert (Acceptable Daily Intake), der anzeigt, wie viel man von dem Stoff zu sich nehmen kann, ohne Gesundheitsschäden davonzutragen. Behörden warnen : Neuer Rekord bei Lebensmittelinfektionen gemeldet Diabetes, Fettleber und Co .: Neuer Test zeigt, wie gesund Ihr Stoffwechsel ist Für Natriumnitrit liegt die als unbedenklich geltende tägliche Aufnahmemenge (ADI) bei 0,07 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bereits mit etwa 30 Gramm getrockneter Wurst (etwa Salami) können Kinder diese Menge überschreiten – Erwachsene mit gut 100 Gramm. Denn Nitrit kann die Fähigkeit des Blutes verringern, Sauerstoff zu transportieren. Außerdem kann Nitrit im Körper mit bestimmten Substanzen reagieren oder sich beim Erhitzen von gepökelten Lebensmitteln in sogenannte Nitrosamine umwandeln – Stoffe, die als stark krebserregend gelten. Klare wissenschaftliche Beweise für diesen Zusammenhang gibt es bislang aber nur begrenzt. Die zulässige tägliche Aufnahmemenge für Kaliumsorbat beträgt 11 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Mit gut 100 Gramm Schmelzkäse können Kinder die sichere Aufnahmemenge pro Tag (ADI) überschreiten, bei Erwachsenen liegt sie etwas höher. Wie das Konservierungsmittel das Diabetesrisiko beeinflusst, ist bisher nicht geklärt. Allgemein kann der Verzehr von Konservierungsstoffen in einigen Fällen zu allergischen Reaktionen führen, vor allem bei empfindlichen Personen. Folgen sind zum Beispiel allergische Hautreaktionen, Unverträglichkeiten, Kopfschmerzen, Durchfall oder auch Asthma. Trend mit Risiken : Welche Lebensmittel sind beim Clean Eating erlaubt – und welche nicht? Was bedeutet das für Verbraucher? Im Vergleich zu bekannten Risikofaktoren wie Rauchen fallen die absoluten Zahlen zwar geringer aus – das Lungenkrebsrisiko steigt durch Rauchen beispielsweise um das 15-Fache. Doch weil so viele Menschen täglich verarbeitete Lebensmittel essen, wirken sich auch kleine Risiken auf die Bevölkerung insgesamt stark aus und können zahlreiche zusätzliche Erkrankungen verursachen, schlussfolgern die Studienautoren. "Es heißt nicht, dass man gleich Krebs bekommt, wenn man Produkte mit Konservierungsmitteln konsumiert, aber man sollte die Häufigkeit dieses Konsums begrenzen", sagte die Epidemologin Mathilde Touvier, die die beiden Studien des Forschungsinstituts Inserm betreut hat. "Die Botschaft an die breite Öffentlichkeit lautet: Im Supermarktregal sollte man die am wenigsten verarbeiteten Lebensmittel bevorzugen", fügte sie hinzu. Neben diesen Forschungsergebnissen weisen auch vergangene Studien darauf hin, dass hochverarbeitete Lebensmittel etwas der Hirngesundheit schaden , das Darmkrebsrisiko erhöhen und sogar schneller altern lassen . Zuletzt wurden immer mehr Gesundheitsrisiken im Kontext von industriell hergestellten Lebensmitteln dokumentiert. Deren Regulierung scheitert jedoch häufig an politischen Uneinigkeiten. So wurde etwa in Frankreich ein Strategieplan zu Ernährung und Klima im vergangenen Herbst in letzter Minute wegen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierung verschoben.