Bei langfristiger Einnahme von "Magenschutz"-Medikamenten bestand bislang der Verdacht auf ein erhöhtes Magenkrebsrisiko. Eine Studie gibt nun Entwarnung. Dass eine Dauereinnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI), also Wirkstoffen wie Pantoprazol oder Omeprazol, das Risiko für Magenkrebs erhöhen könnte, wurde bereits seit den 1980er-Jahren vermutet. Eine Beobachtungsstudie des schwedischen Karolinska-Instituts scheint diesen Verdacht nun entkräften zu können. Protonenpumpenhemmer: Hoher Blutdruck als Nebenwirkung? Auswertung von fünf nordischen Gesundheitsdatenbanken Für die in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" erschienene Studie untersuchten die Forscher Daten von über 17.000 Personen mit Magenkrebs und verglichen sie mit über 172.000 Kontrollpersonen. Die Analyse umfasste einen Zeitraum von bis zu 26 Jahren. Dabei flossen Daten von Menschen ein, die langfristig Protonenpumpenhemmer oder auch H2-Blocker (wie Ranitidin) einnahmen, welche ebenfalls die Säureproduktion im Magen hemmen. Berücksichtigt wurden außerdem weitere Faktoren, etwa eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori (der bedeutendste Risikofaktor für Magenkrebs), Magengeschwüre , Rauchen, alkoholbedingte Erkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes und die Einnahme bestimmter Medikamente (wie Metformin, Statine oder NSAR). Magenkrebs und PPI: Kein Zusammenhang erkennbar Die Auswertung zeigte, dass bei Menschen, die Protonenpumpenhemmer längere Zeit einnahmen, Magenkrebs nicht häufiger auftrat. Auch bei der Einnahme von H2-Blockern ließ sich kein Zusammenhang feststellen. "Unsere Ergebnisse widersprechen der Hypothese, dass Protonenpumpenhemmer Magenkrebs verursachen", sagt Studienleiter Jesper Lagergren. "Das gibt Patienten, die eine Langzeitbehandlung benötigen, Sicherheit und ist für klinische Entscheidungen von Bedeutung." Die Forscher weisen auch darauf hin, dass sich mit einer Beobachtungsstudie zwar keine endgültigen Schlüsse über Ursache und Wirkung ziehen lassen und der Einfluss gewisser Störfaktoren nicht völlig ausgeschlossen werden kann. Allerdings sei durch das Studiendesign davon auszugehen, dass die Ergebnisse verlässlicher sind als frühere Untersuchungen. Protonenpumpenhemmer: Oft unnötig verschrieben? Protonenpumpenhemmer sollten möglichst immer nur so lang wie nötig eingenommen werden. Eine dauerhafte Einnahme von PPI ist nur bei wenigen Erkrankungen erforderlich. Oftmals genügt sogar eine Behandlung über wenige Wochen. Dennoch hat die Verschreibung über die Jahre zugenommen. Einige Menschen nehmen Wirkstoffe wie Omeprazol oder Pantoprazol auch auf eigene Initiative ein, denn niedrige Dosierungen sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich. Eine unnötig lange Einnahme kann jedoch auch Nebenwirkungen haben und etwa die Aufnahme bestimmter Nährstoffe (wie Vitamin B12, Magnesium, Eisen) behindern. Ist der Magensaft durch die Medikamente dauerhaft weniger sauer, können zudem Krankheitserreger die Säurebarriere im Magen leichter durchdringen und unter anderem Durchfallerkrankungen begünstigen. Wer Protonenpumpenhemmer bereits längere Zeit einnimmt und glaubt, Nebenwirkungen durch diese zu haben, sollte daher Rücksprache mit dem Arzt halten. So lässt sich klären, ob die Einnahme weiterhin nötig ist oder eine niedrigere Dosis ausreicht.