Migräne & Östrogen: So wirkt sich der Hormonspiegel aus

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Dass mehr Frauen als Männer Migräne haben, scheint am Sexualhormon Östrogen zu liegen. Was dafürspricht und was Betroffenen hilft, erfahren Sie hier. Menschen mit Migräne entwickeln für gewöhnlich wiederholt anfallartige, oft einseitige und heftige Kopfschmerzen, die sich typischerweise durch körperliche Aktivität verstärken. Begleitend können unter anderem Übelkeit, Erbrechen , Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit auftreten. Ohne Behandlung dauert ein solcher Migräneanfall 4 bis 72 Stunden. Manchmal kündigt sich Migräne bereits bis zu zwei Tage vorher mit Symptomen wie Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen und Stimmungsschwankungen an, die noch bis zu zwei Tage nach Abklingen der Kopfschmerzen anhalten können. Außerdem erleben manche Betroffene vor Beginn der Schmerzen eine Aura mit vorübergehenden neurologischen Beschwerden wie Kribbeln an Armen oder Beinen, Sehstörungen und/oder Schwindel, seltener auch mit Lähmungen. Kein Wunder, dass Migräne den Alltag stark beeinträchtigen und zu Arbeitsunfähigkeit führen kann. Diese gesundheitliche Last ist allerdings ungleich verteilt, nämlich auf rund 8 Prozent der Männer und bis zu 20 Prozent der Frauen. Hinzu kommt, dass Migräneanfälle bei Frauen in kürzeren Abständen erfolgen und schwerer verlaufen, was die gesundheitliche Einschränkung und die Erholungsdauer erhöht. Ein Hauptgrund für die geschlechtsabhängige Häufigkeit von Migräne ist wohl Östrogen. Migräne und Östrogen scheinen oft zusammenzuhängen Migräne hat vermutlich erbliche Ursachen. Wie sie genau entsteht, ist jedoch unklar. Vieles weist darauf hin, dass der Östrogenspiegel mit den Kopfschmerzen und sonstigen Migränesymptomen zusammenhängen kann. So sind Mädchen und Jungen vor der Pubertät noch in gleichem Maße von der Erkrankung betroffen. Erst ab der Pubertät (das heißt, wenn in den Eierstöcken die Bildung von Östrogen einsetzt) steigt die Häufigkeit von Migräne bei Frauen deutlich stärker als bei Männern. Zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr haben dann bis zu 3-mal mehr Frauen als Männer Migräneanfälle, wobei der Unterschied um das 30. Lebensjahr am größten ist. Abfallender Östrogenspiegel löst Kopfschmerzen aus Bei Frauen verändert sich das Risiko für Migräne demnach in einem zeitlichen Verlauf, der ihren hormonellen Lebensphasen entspricht. Dabei gilt ein durch Hormonschwankungen entstehender Östrogenmangel als Auslöser der Kopfschmerzen. So macht sich Migräne gehäuft kurz vor oder während der Menstruation, nach einer Entbindung oder im Zeitraum um die letzte Menstruation (Menopause) herum bemerkbar – also dann, wenn der Östrogenspiegel abfällt. Bei manchen Frauen treten Migräneanfälle hauptsächlich oder sogar ausschließlich im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation auf. In letzterem Fall sprechen Fachleute von einer menstruellen Migräne. Diese verläuft meist ohne Aura, aber üblicherweise besonders schwer. Auch wer Hormone zur Verhütung einnimmt und regelmäßig pausiert, um den natürlichen Menstruationszyklus nachzuahmen, ist anfälliger für Migräne: Enthält die Antibabypille Östrogen in höheren Dosen, besteht im Zeitraum um die Menstruation herum aufgrund des starken Östrogenabfalls ein höheres Risiko für Migräneanfälle. Bei stabilen Östrogenwerten bessert sich Migräne oft Werden Frauen mit Migräne schwanger, kommt es hingegen größtenteils zu einem Rückgang ihrer Migräneanfälle. Vor allem ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel stehen die Chancen gut, dass sich die Kopfschmerzerkrankung bessert. Als Hauptgrund hierfür sehen Fachleute unter anderem den dann stabileren Östrogenspiegel. In der Stillzeit melden sich die Beschwerden jedoch oft in der gleichen Häufigkeit und Schwere zurück wie vor der Schwangerschaft . Auch die Wechseljahre wirken sich bei vielen Frauen positiv auf ihre Migräne aus. Das vor bis kurz nach der Menopause verstärkte Auf und Ab von Östrogen kann die Kopfschmerzerkrankung zwar zunächst verschlimmern, doch nachfolgend nehmen die Migräneanfälle häufig ab. Mit fortschreitendem Alter können die Kopfschmerzen schließlich ihre migränetypische Ausprägung verlieren oder ganz ausbleiben. Was einen Migräneanfall bei Frauen lindern kann Migräneanfälle bei Frauen lassen sich mit den allgemein üblichen Akutmaßnahmen behandeln. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschwerden nur ausgelöst durch die Menstruation oder unabhängig davon auftreten: Gegen leichtere Migränekopfschmerzen empfehlen Fachleute nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen. Wirken die Schmerzmittel nicht ausreichend, können womöglich gezielt gegen Migräneanfälle entwickelte Medikamente weiterhelfen: sogenannte Triptane. Bei Bedarf können Frauen während eines Migräneanfalls zusätzlich ein Mittel gegen Übelkeit einnehmen. Wenn Migräne zu einem hohen Leidensdruck mit eingeschränkter Lebensqualität und/oder dem Risiko eines Medikamentenübergebrauchs führt, sind vorbeugende Maßnahmen ratsam. Bei einer solchen Migräne-Prophylaxe kann mitunter auch Östrogen eine Rolle spielen. Wie Östrogen bei der Migräne-Prophylaxe helfen kann Zur längerfristigen Migräne-Prophylaxe stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, unter anderem Betablocker oder sogenannte Antikonvulsiva, die auch gegen epileptische Anfälle helfen. Die Wirkstoffe sind allerdings nicht für jeden Menschen gleichermaßen geeignet und nur nach sorgfältiger Abwägung der Nutzen und Risiken anzuwenden. Für Frauen, deren Migräneanfälle mit der Menstruation zusammenhängen, kommen aber mehrere Alternativen in Betracht. So kann sich der Versuch lohnen, jeweils zwei Tage vor der Menstruationsblutung eine Kurzzeitbehandlung mit einem gängigen Schmerzmittel oder Triptan zu beginnen und fünf bis sechs Tage fortzuführen. Eine weitere Möglichkeit zur Vorbeugung der menstruellen Migräne bieten Antibabypillen, die Östrogen und Gestagen enthalten (und somit zu den Kombinationspräparaten zählen): Gelegentlich raten Ärztinnen und Ärzte betroffenen Frauen, ein solches Präparat eine Zeit lang durchgehend einzunehmen, um die Menstruation und die damit verbundenen Migräneanfälle zu verhindern. Womöglich kann auch die sogenannte Minipille mit dem Wirkstoff Desogestrel die Kopfschmerzerkrankung leicht verbessern. Unabhängig davon, ob die vorbeugende Behandlung von Migräne mit oder ohne Östrogen erfolgt, ist immer auch eine nicht medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Fachleute empfehlen dazu unter anderem: Stressbewältigung, etwa durch Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation (PMR), regelmäßigen Ausdauersport, etwa dreimal wöchentlich für 30 bis 60 Minuten Schwimmen, Fahrradfahren oder Joggen, eine gesunde Ernährung mit möglichst regelmäßigen Mahlzeiten und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1,5 Liter täglich. Die gute Nachricht: Mit zunehmendem Alter nehmen der Schweregrad und die Häufigkeit der Migräneanfälle für gewöhnlich auch ohne vorbeugende Behandlung ab.
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