Viele Menschen spüren Allergien in der kalten Jahreszeit besonders stark – obwohl draußen kaum Pollen fliegen. Warum der Winter die Symptome verschlimmert. Obwohl die Pollenbelastung im Winter abnimmt, haben viele Allergiker verstärkt Beschwerden. Der Hauptgrund: mehr Zeit in Innenräumen. Unter anderem macht die trockene Heizungsluft Haut, Nase, Augen und Bronchien zu schaffen. Mit gezielten Maßnahmen lassen sich die Allergiesymptome reduzieren. Allergien – ein häufiges Problem Laut dem Bundesministerium für Gesundheit wird bei etwa jedem dritten Deutschen im Laufe seines Lebens eine allergische Erkrankung festgestellt. Etwa 20 bis 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen haben Heuschnupfen , Asthma oder Neurodermitis . Bei einer Allergie verursachen harmlose Substanzen eine ausgeprägte Abwehrreaktion des Immunsystems. Am häufigsten zeigt sich eine allergische Reaktion an den Atemwegen, der Haut und den Schleimhäuten. Zu den häufigen Substanzen, die eine Allergie auslösen, gehören: Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern Tierallergene (Eiweißbausteine in Speichel, Talg- und Schweißdrüsen der Tiere, etwa zu finden an Tierhaaren) Hausstaubmilben (Milbenallergene befinden sich vor allem im Kot der Tiere) Insektengift (etwa Bienen und Wespen) Nahrungsmittel (etwa bestimmte Nüsse, Soja, Weizen und Milch) Schimmelpilze Kontaktallergene (etwa Duftstoffe oder Metalle) Manche Allergien sind im Winter stärker Die Beschwerden einer Allergie können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig, etwa der Art der Allergie. Auch die Jahreszeit spielt für viele Betroffene eine bedeutende Rolle. In bestimmten Monaten ist beispielsweise der Pollenflug besonders stark ausgeprägt und macht Menschen mit Heuschnupfen zu schaffen. Ebenso können die Wintermonate für viele Allergiker zu einer Belastungsprobe werden. Pollenflug auch im Winter Ein Grund ist, dass mildere Winter dazu führen, dass früh blühende Arten wie Hasel und Erle teilweise schon im Januar oder Februar Pollen freisetzen. Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB) führt der Klimawandel dazu, dass die Pollen aggressiver werden, die tägliche Pollenmenge zunimmt, die Pollensaison früher anfängt und länger dauert und es zudem neue Pollen durch neue Pflanzenarten gibt. Zeit in Innenräumen belastet die Atemwege Ein weiterer Grund für zunehmende Allergiesymptome im Winter sind vermehrte Aufenthalte in Innenräumen. Die Allergen-Exposition in geschlossenen Räumen kann durch verschiedene Einflüsse zunehmen: Heizungsluft trockene Luft erhöhte Ansteckungsgefahr Reizstoffe in der Atemluft Schimmelpilzrisiko Trockene Heizungsluft strapaziert die Atemwege Die zirkulierende, warme Heizungsluft bringt Allergene wie Hausstaub, Schimmelpilzsporen und Tierallergene vermehrt in die Atemluft. Laut dem Allergieinformationsdienst am Helmholtz Zentrum München wirbelt das Heizen den Hausstaub und mit ihm unter anderem den allergieauslösenden Milbenkot durch die Luft, sodass dieser vermehrt eingeatmet wird. Der Kontakt mit den Milben-Allergenen ist den Experten zufolge während der Heizperiode zweifach verstärkt. Auch wird die Luft trockener. Trockene Raumluft nimmt Haut und Schleimhäuten Feuchtigkeit und begünstigt Reizungen. Beispielsweise haben Asthmatiker und Menschen mit Neurodermitis oft mit verstärkten Beschwerden zu kämpfen. Atembeschwerden können zunehmen, und auch Hautreaktionen wie Ekzeme und Juckreiz können sich intensivieren. Zudem haben trockene Schleimhäute und trockene Haut eine schwächere Abwehrkraft. Sie werden anfälliger für Reizstoffe und Erreger. Erhöhte Ansteckungsgefahr in Innenräumen In Innenräumen ist zudem die Ansteckungsgefahr erhöht. Erkältungsviren beispielsweise haben leichtes Spiel. Sind die Schleimhäute erkältungsbedingt entzündet, zeigen sich auch Allergiebeschwerden intensiver. Treffen Allergie- und Erkältungssymptome aufeinander, kann das für Betroffene sehr belastend sein. Reizstoffe bleiben länger in der Atemluft Des Weiteren sind in den Wintermonaten oft vermehrt Reizstoffe in der Atemluft vorhanden, etwa Kerzenrauch und Kaminrauch. Auch Kochdämpfe können die Atemwege reizen. Ist es kalt, lüften viele Menschen seltener, und Reizstoffe verbleiben länger in den Räumen. Vorsicht vor Duftkerzen Laut dem Allergieinformationsdienst sind auch Duftkerzen nicht zu unterschätzen. Die Düfte können bei Menschen mit Asthma oder einer Kontaktallergie Reizungen der Schleimhäute und damit allergieähnliche Symptome verursachen. Es sei sogar möglich, dass Duftstoffe wie Zimt oder Zitrusaromen über die Luft eine tatsächliche Kontaktallergie in Form eines allergischen Kontaktekzems im Gesicht oder auf dem Handrücken auslösen. Erhöhtes Schimmelrisiko im Winter Das Schimmelrisiko ist im Winter ebenfalls erhöht. Kommt Feuchtigkeit mit kalten Wänden und Fensterscheiben in Kontakt, entsteht Kondenswasser. Eine feuchte Umgebung ist ein Nährboden für Schimmel. Schimmelsporen reizen nicht nur die Atemwege und können Lungenerkrankungen auslösen. Sie können auch allergische Beschwerden verursachen. Plötzliche Temperaturwechsel begünstigen Asthmaanfälle Trifft zudem Kälte auf die strapazierten Atemwege, sind diese zusätzlich belastet. Laut dem DAAB ist kalte Winterluft besonders für Asthmatiker problematisch, da Kälte die Atemwege verengen und Symptome wie Husten, Atemnot und Engegefühl in der Brust verstärken kann. Vor allem plötzliche Wechsel zwischen kalter Außenluft und warmer Innenluft sind laut den Allergieexperten ein Problem: Große Temperaturunterschiede von mehr als zehn Grad könnten Asthmaanfälle begünstigen. Kreuzallergie: So zeigt sich Heuschnupfen über Umwege Außerdem ist es möglich, dass sich ein Heuschnupfen im Winter über Umwege bemerkbar macht. Wer vermehrt zu Obst, Gemüse und Nüssen greift und Allergiesymptome bei sich bemerkt, sollte aufmerksam werden. Es kann sich um eine Kreuzallergie handeln: Allergene in den Baumpollen ähneln Proteinen, die auch in einigen Pflanzen, Früchten und Gemüse vorkommen. Das Immunsystem verwechselt Äpfel, Haselnuss, Karotten oder Sojabohnen mit Birkenpollen. Allergiesymptome im Winter lindern – 5 Tipps Richtig lüften: Mehrmals täglich für fünf bis zehn Minuten Stoßlüften, um neue Luft in die Räume zu lassen. Allergielast senken: Spezielle Allergiker-geeignete Bezüge für Matratzen, Decken und Kissen nutzen und die Bettwäsche einmal wöchentlich bei 60 Grad waschen. Mit speziellen Feinstaubfiltern (HEPA-Filtern) staubsaugen oder alternativ feucht wischen, um Staubaufwirbelungen zu reduzieren. Bei Bedarf können HEPA-Luftreiniger ergänzend genutzt werden. Tierallergene begrenzen: Das Schlafzimmer am besten tierfrei halten und Textilien, etwa Kleidung, regelmäßig waschen. Auch Sofa und Co. regelmäßig absaugen. Reizstoffe minimieren: Allergiker sollten auf (Duft-)Kerzen, Raumsprays und Räucherstäbchen in Innenräumen besser verzichten, um die Atemwege zu schonen. Schleimhäute befeuchten: Ausreichend trinken. Das befeuchtet die Schleimhäute in Mund und Rachen. Eine Nasenspülung mit spezieller Salzlösung spült Allergene aus der Nase und wirkt ebenfalls befeuchtend. Für Innenräume ist eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent ideal. Luftbefeuchter können helfen, die Luftfeuchte zu regulieren. Das schützt die Atemwege vor zu trockener Heizungsluft. Ebenso ist es wichtig, die antiallergische Basistherapie, etwa mit Kortikosteroiden oder Antihistaminika, fortzuführen. Bei einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden sollten Betroffene eine ärztliche Praxis aufsuchen. Eine ärztliche Begleitung hilft, akute Beschwerden zu lindern und einer Verschlechterung vorzubeugen, zum Beispiel durch entzündungshemmende Therapien oder eine Immuntherapie (Hyposensibilisierung).