Ein Virus, das ursprünglich aus dem Tierreich stammt, erregt internationale Aufmerksamkeit: Der Nipah-Erreger ist erneut in Indien aufgetaucht. Zwei bestätigte Fälle genügen, um weltweit Alarm auszulösen: In Indien ist das Nipah-Virus aufgetreten. Obwohl die Behörden die Lage als unter Kontrolle beschreiben, reagieren mehrere Länder mit verschärften Einreisekontrollen. Nach Angaben des indischen Gesundheitsministeriums wurden im östlichen Bundesstaat Westbengalen seit Dezember zwei Nipah-Infektionen nachgewiesen. Beide Erkrankten arbeiteten in demselben Krankenhaus, rund 25 Kilometer nördlich von Kolkata. Berichte über weitere Fälle wies die Regierung zurück. Insgesamt identifizierten die Behörden demnach 196 Kontaktpersonen, die alle negativ auf das Virus getestet wurden. Neunter Ausbruch seit 2001 Der aktuelle Vorfall reiht sich in eine Serie früherer Ausbrüche ein. Seit dem ersten bekannten Auftreten im Jahr 2001 in der Stadt Siliguri kam es in Indien insgesamt zu neun Nipah-Ausbrüchen. Besonders betroffen war in den vergangenen Jahren der südindische Bundesstaat Kerala, wo zwischen 2018 und 2025 nahezu jährlich neue Fälle gemeldet wurden. Auch ein Todesfall im Jahr 2021 wurde dort registriert. Als natürliche Wirte des Virus gelten Flughunde der Gattung Pteropus. Sie tragen den Erreger, ohne selbst zu erkranken. Menschen können sich infizieren, wenn sie engen Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen haben oder kontaminierte Lebensmittel und Fruchtsäfte verzehren. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei engem Kontakt möglich, etwa durch Tröpfchen beim Husten oder Niesen. Forscher warnen: Das nächste Coronavirus steht bereit Ärztin warnt: "Eine Lawine kommt auf uns zu" Schwere Krankheit ohne Therapie Das Nipah-Virus verursacht eine seltene, aber besonders schwere Infektionskrankheit. Diese beginnt häufig mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber , Kopf- und Muskelschmerzen . In schweren Fällen kommt es zu Atemproblemen oder zu einer Enzephalitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Gehirns, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Besonders besorgniserregend ist die hohe Sterblichkeit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass zwischen 40 und 75 Prozent der Erkrankten an den Folgen der Infektion sterben. Impfstoffe oder gezielte Medikamente stehen bislang nicht zur Verfügung. Deswegen zählt die WHO Nipah-Viren zu den Erregern mit hohem Epidemiepotenzial. Mehrere Länder reagieren auf Virusausbruch Nach Bekanntwerden der Fälle verschärften mehrere Länder in Süd- und Südostasien ihre Vorsichtsmaßnahmen. Thailand kontrolliert an großen Flughäfen Reisende aus Kolkata. Auch Nepal , Taiwan und Singapur führten zusätzliche Einreisekontrollen ein. An einigen Flughäfen kommen Thermoscanner zum Einsatz, um Personen mit Fieber oder Atembeschwerden frühzeitig zu erkennen. Die indischen Behörden betonten, dass der Ausbruch lokal begrenzt sei. Gleichzeitig verstärkten sie Überwachung, Labortests und Untersuchungen vor Ort. Das Ziel: mögliche Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen. Geringes Risiko für Europa Für Reisende außerhalb Asiens sehen Fachleute derzeit kaum Gefahr. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC schätzt das Risiko einer Ansteckung für Europäer als sehr gering ein. Zwar lasse sich eine Einschleppung durch Reisende nicht vollständig ausschließen, sie gelte aber als unwahrscheinlich. Ein entscheidender Grund: Die Flughunde, die das Virus übertragen, kommen in Europa nicht vor. Auch für Touristen in Indien gilt laut Experten: Wer Standardhygiene einhält und den Kontakt zu wilden Tieren meidet, hat nur ein sehr geringes Infektionsrisiko.