Osteoporose ist eine Erkrankung, die immer mehr Menschen betrifft, besonders im höheren Lebensalter. Experten rechnen mit einem rasanten Anstieg der Fallzahlen. Die Zahl der osteoporosebedingten Frakturen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen und wird weiter steigen. Der Grund dafür liegt in der mangelnden Diagnose und Behandlung der Osteoporose, auch nach einem Bruch. Dr. Friederike Thomasius vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum warnte kürzlich beim Fortbildungskongress Pharmacon: "Eine Lawine kommt auf uns zu." Es werde zunehmend wichtig, diese Krankheit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um die Zahl der Brüche und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen zu minimieren. Osteoporose – die unterschätzte Volkskrankheit Osteoporose betrifft vor allem ältere Menschen und führt dazu, dass die Knochen porös und brüchig werden, selbst bei minimaler Belastung. Es handele sich dabei nicht um eine schleichende Volkskrankheit, sie entwickele sich mehr zu einer Lawine, erklärte Thomasius. Zu den Risikopatienten gehören demnach Frauen, da der Verlust der Knochenmasse nach der Menopause beschleunigt wird. Aber auch Männer sind ab einem Alter von 80 Jahren zunehmend gefährdet. Ein typisches Merkmal der Osteoporose ist der schleichende Verlust der Knochendichte, der oft ohne Symptome verläuft, bis ein Bruch auftritt. "Ein Bruch erhöht das Risiko für einen weiteren Bruch, und zwar je nach betroffenem Knochen zum Teil um den Faktor 1,7 bis 5", so Thomasius. Augenprobleme: Mehrheit der Älteren erkennt Warnsignale nicht Osteoporose in jungen Jahren: Das sind häufige Gründe Krankheit ist unterdiagnostiziert Trotz der häufigen Frakturen bleibt Osteoporose oft unentdeckt. "80 Prozent der Patienten mit Osteoporose werden nicht therapiert, und 70 Prozent der Personen mit Frakturen erhalten keine Behandlung", erklärte Thomasius. Dies führe oft zu wiederholten Brüchen, sieben bis acht Frakturen pro Patient seien keine Seltenheit, so die Expertin. Ein Grund für die Unterdiagnostik sei die fehlende Vernetzung in der Versorgung. Im Krankenhaus behandelten Chirurgen die Brüche, diese leiteten aber meist keine Diagnostik und Arzneimitteltherapie ein. Das sei weltweit ein Problem. "In Deutschland stehen wir aber besonders schlecht da." Die Folgen einer unbehandelten Osteoporose sind gravierend. Frakturen können zu dauerhaften Mobilitätseinschränkungen führen und im schlimmsten Fall eine Pflegeeinrichtung erforderlich machen. Zudem liegt die Sterblichkeitsrate im ersten Jahr nach etwa einem Schenkelhalsbruch bei rund 20 Prozent. Frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend Um Osteoporose rechtzeitig zu erkennen, rät Thomasius, dass Patienten ab 70 Jahren oder bei Vorliegen von Risikofaktoren regelmäßig untersucht werden sollten. "Die Knochendichte ist der wichtigste Marker für die Diagnose von Osteoporose", erklärte sie. Eine frühzeitige Knochendichtemessung sowie Bildgebung wie Röntgenaufnahmen und ein Blutbild, das Calcium- und Phosphatwerte misst, seien entscheidend, um rechtzeitig mit der Behandlung zu beginnen. Die Behandlung der Osteoporose umfasst sowohl präventive Maßnahmen als auch Medikamente wie Bisphosphonate und Denosumab, die den Knochenabbau hemmen. Eine ausreichende Zufuhr von Calcium (1.000 Milligramm pro Tag) und Vitamin D sowie ausreichend körperliche Aktivität sind ebenfalls wichtig, um die Knochen zu stärken. Zudem wird eine gezielte Sturzprävention empfohlen, um das Risiko von weiteren Frakturen zu minimieren.