Nehmen wir im Ohr den Pulsschlag unerwartet als Geräusch wahr, wirkt das mitunter beängstigend. Manchmal stecken ernsthafte Krankheiten dahinter. Nach dem Sport oder anderen körperlichen Anstrengungen wird bisweilen spürbar, wie das Herz pocht. Der Pulsschlag kann sich mitunter jedoch auch im Ohr bemerkbar machen. In der Regel verschwindet das Geräusch nach kurzer Zeit wieder von selbst. Wenn nicht, könnte ein pulsierender (auch pulssynchron oder pulsatil genannter) Tinnitus dahinterstecken. Die Auslöser können vielfältig sein und sind nicht immer harmlos. Wie kommt es zu hörbaren Pulsgeräuschen? Der pulssynchrone Tinnitus fällt in die Kategorie "objektiver Tinnitus". Bei dieser vergleichsweise seltenen Form des Tinnitus (etwa 1 Prozent) handelt es sich um ein natürliches Geräusch, das von einer realen Schallquelle in direkter Nähe zum Innenohr erzeugt wird – etwa dem rauschenden Blutfluss in den Blutgefäßen, der dem Pochen des Herzens folgt. Bei den meisten Betroffenen tritt diese Form des Tinnitus nur auf einem Ohr auf, sie kann aber auch beide Ohren betreffen. Da der Puls im Ohr eine objektive Wahrnehmung ist, können Ärzte ihn im Rahmen einer Kopfuntersuchung diagnostizieren. Mitunter lässt er sich von außen mit einem Stethoskop abhören. Bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels können dabei helfen, die Ursache der Pulsschläge im Ohr zu ermitteln. Gegebenenfalls veranlasst der Arzt auch weitere Untersuchungen. Vorübergehend oder dauerhaft In vielen Fällen ist ein pulssynchroner Tinnitus kein Grund zur Besorgnis und verschwindet innerhalb von kurzer Zeit von selbst. Bleibt das Geräusch jedoch bestehen oder kommt es immer wieder, kann das Symptom auf ein gesundheitliches Problem hinweisen und sollte von einem Arzt abgeklärt werden. (Das gilt insbesondere, wenn weitere Symptome wie Kopfschmerzen oder Sehstörungen bestehen oder hinzukommen.) Zu den möglichen Ursachen eines pulssynchronen Tinnitus zählen Erkrankungen der Gefäße im Kopf-Hals-Bereich. Hierzu gehören etwa: Fisteln, die Venen mit Arterien verbinden (arteriovenöse Fisteln) Gefäßeinengungen (Stenosen) bei Arteriosklerose Gefäßwandeinrisse (Dissektionen) Aussackungen der Gefäßwand (Aneurysmen) vollständiger oder teilweiser Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel ( Thrombose ) gefäßreiche Tumoren Ebenso kann die langfristige Einnahme bestimmter Arzneimittel (etwa Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten) gelegentlich zu Pulsgeräuschen im Ohr führen. Stress als Auslöser für Tinnitus Auch psychische Faktoren wie Stress , innere Anspannung und psychische Belastungen stehen mitunter in Zusammenhang mit dem rhythmischen Pochen im Ohr und können dieses begünstigen oder verstärken. Denn in stressigen Situationen schlägt das Herz schneller und die Blutgefäße verengen sich, sodass das Blut schneller strömt. Dann ist häufig auch der Pulsschlag im Ohr stärker wahrzunehmen. Pochen im Ohr als Hinweis auf Bluthochdruck Ein pulssynchroner Tinnitus kann zudem auf einen erhöhten Blutdruck hinweisen. Betroffene nehmen das rhythmische Pochen im Ohr vor allem nachts beziehungsweise in ruhiger Umgebung stärker wahr. Wie wird ein pulssynchroner Tinnitus behandelt? Was bei einem pulssynchronen Tinnitus im Einzelfall unternommen wird, richtet sich danach, was ihn verursacht. Wird das Ohrgeräusch etwa durch Bluthochdruck ausgelöst, verschwindet es für gewöhnlich, sobald sich der Blutdruck normalisiert . Das lässt sich mit Medikamenten erreichen, aber auch mit einem gesünderen Lebensstil. Zu diesem gehören unter anderem regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, entspannende Maßnahmen und möglichst der Verzicht auf Alkohol und Tabakprodukte. Wird das Pulsieren im Ohr durch Gefäßeinengungen oder anatomische Anomalien ausgelöst, kann ein chirurgischer Eingriff infrage kommen. Sofern die Ursache nicht lebensbedrohlich ist und Betroffene mit dem rhythmischen Geräusch zurechtkommen, lässt sich unter Umständen auch darauf verzichten.