Trockener Mund: Was ihn verursacht und was hilft

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Anhaltende Mundtrockenheit kann gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Was verursacht die Beschwerden und was hilft ? Einen trockenen Mund hat wohl jeder schon einmal gehabt. Meist stellt sich dieses Symptom nur kurzfristig ein. Oft in Situationen, in denen Betroffene sich nervös oder gestresst fühlen. Hält Mundtrockenheit jedoch länger an, kann das die Lebensqualität beeinträchtigen und sogar gesundheitliche Auswirkungen haben. Daher ist es ratsam, die möglichen Ursachen ärztlich abklären zu lassen. Was ist Mundtrockenheit? Als Mundtrockenheit bezeichnen Fachleute den subjektiv als zu trocken empfundenen Mund. Der Fachausdruck dafür lautet Xerostomie. Ist der Speichelfluss messbar verringert, liegt eine sogenannte Hyposalivation vor. Ein als trocken empfundener Mund muss jedoch nicht zwingend mit einem deutlich zu niedrigen Speichelfluss einhergehen. So empfinden etwa manche Betroffene ihren Mund selbst bei objektiv normalem Speichelfluss als zu trocken. Andere hingegen haben nachweislich einen zu geringen Speichelfluss, bemerken aber kein Gefühl von Mundtrockenheit. Untersuchungen zufolge tritt die subjektive Wahrnehmung eines trockenen Mundes im Durchschnitt erst dann auf, wenn der Speichelfluss um mehr als die Hälfte des Normalen abgenommen hat. Anzeichen bei Mundtrockenheit Ein trockener Mund kann tagsüber und/oder nachts auftreten. Weitere mögliche Anzeichen bei Mundtrockenheit sind zum Beispiel: Durstgefühl trockene Zunge Zungenbrennen und/oder Mundbrennen trockenes Gefühl in Hals und Rachen, Heiserkeit oder Husten Probleme beim Kauen oder Schlucken, insbesondere bei zähklebrigen Speisen Probleme beim Sprechen veränderte Geschmackswahrnehmung trockene, rissige Lippen Mundgeruch Zahnfleischbluten Neigung zu Karies und Parodontitis Anhaltende Mundtrockenheit kann auch dazu führen, dass herausnehmbare Zahnprothesen schlecht halten und mehr Haftcreme nötig ist. Trockener Mund: Mögliche Ursachen Ein trockener Mund entsteht, wenn der Körper zu wenig Speichel produziert oder sich der Speichel anders zusammensetzt als zuvor. Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Zu den Hauptursachen zählen: Flüssigkeitsmangel, etwa durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr über Getränke, starkes Schwitzen sowie Erkrankungen, die mit Fieber, Erbrechen oder Durchfall einhergehen Nebenwirkungen von Medikamenten, häufig bei Einnahme von Blutdrucksenkern, Antihistaminika, Antidepressiva oder Entwässerungsmitteln (Diuretika) psychische Anspannung wie Nervosität , Stress , Angst Mundatmung, etwa durch eine verstopfte Nase , Schnarchen oder Schlafen mit offenem Mund (vor allem durch trockenen Mund in der Nacht sowie beim Aufwachen spürbar), unbewusst erlernte Angewohnheit Krebsbehandlung mit Chemo- oder Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich Mundsoor, eine Pilzinfektion durch den Hefepilz Candida albicans Eine hartnäckig bestehende Mundtrockenheit kann in manchen Fällen durch eine andere Erkrankung verursacht sein, etwa durch eine Stoffwechselerkrankung wie Diabetes oder das Sjögren-Syndrom , eine Autoimmunerkrankung. Auch schlecht sitzende Zahnprothesen können mit einem trockenen Mund einhergehen, ebenso wie Erkrankungen der Mundschleimhaut oder Zähne, wenn diese Schmerzen beim Essen verursachen und Betroffene versuchen, Kaubewegungen möglichst zu vermeiden. Trockener Mund im Alter häufiger Vor allem Menschen über 65 Jahren sind häufig von Mundtrockenheit betroffen, Frauen öfter als Männer. Viele nehmen die Beschwerden einfach hin, in der Annahme, dass im Alter weniger Speichel produziert wird. Tatsächlich ist jedoch unklar, ob der Speichelfluss im höheren Lebensalter nachlässt und alleinige Ursache für einen trockenen Mund sein kann. In vielen Fällen ist anhaltende Mundtrockenheit keine reine Alterserscheinung. Vielmehr sind die Beschwerden darauf zurückzuführen, dass bestimmte Erkrankungen im Alter häufiger auftreten – und die dabei verordneten Medikamente einen trockenen Mund als Nebenwirkung hervorrufen können. Folgen von anhaltender Mundtrockenheit Speichel spielt für die Zahn- und Mundgesundheit eine wichtige Rolle. Er bildet einen dünnen Film, der die Zähne und auch alle anderen Strukturen im Mundraum überzieht. Pro Tag geben die Speicheldrüsen einen halben bis anderthalb Liter Speichel ab. Während des Schlafs ist die Speichelproduktion deutlich niedriger als am Tag: Sie wird nachts nahezu gänzlich eingestellt. Auf Dauer kann zu wenig Speichel die Lebensqualität beeinträchtigen und verschiedene Erkrankungen im Mundraum begünstigen, wie etwa Karies, Zahnfleischentzündungen , Parodontitis und Mundgeruch. Weitere mögliche Folgen sind außerdem ein verändertes Geschmacksempfinden, Probleme beim Schlucken (und dadurch die Gefahr, sich zu verschlucken), Mundsoor und andere Infektionen im Mundraum. Speichel hat vielfältige Aufgaben Es gibt drei große Speicheldrüsen: im Unterkiefer, unter der Zunge und in Ohrnähe. Daneben liegen kleinere Speicheldrüsen verteilt im Mundraum. Alle zusammen geben ständig geringe Mengen an Speichel ab. In bestimmten Situationen steigt die Produktion jedoch: Der Geruch und die Aufnahme von Essen etwa sowie Kauen regt die Drüsen an, mehr Speichel freizusetzen. Speichel hat vor allem zwei wichtige Aufgaben: die Strukturen im Mundraum zu schützen sowie Essen und Sprechen zu erleichtern. Das gelingt, indem der Speichel und seine Bestandteile eine Vielzahl an Funktionen erfüllen. So schützt Speichel beispielweise Zähne und Mundraum, indem er: die Strukturen feucht hält nach der Aufnahme von Nahrung und Getränken den darin enthaltenen Zucker verdünnt hilft, Speisereste aus dem Mundraum zu entfernen Erreger wie Bakterien bereits im Mundraum bekämpft die von Kariesbakterien produzierten Säuren neutralisiert und so Zahnschäden durch Karies vorbeugt bei Kariesdefekten dazu beiträgt, den Zahnschmelz zu remineralisieren, also die herausgelösten Stoffe zu ersetzen, da er Calcium und Phosphat enthält die Reparatur von Gewebeschäden unterstützt Daneben hilft Speichel beim Essen und Sprechen, indem er: das Kauen und Schlucken von Nahrung erleichtert mithilfe von Enzymen die Verdauung von Speisen fördert den Geschmack von Speisen verstärkt und so auch zum sinnlichen Erleben der Nahrung beiträgt Mundraum, Zähne und Zunge feucht hält und so das Sprechen erleichtert Trockener Mund: Welche Behandlung hilft? Bei Mundtrockenheit richtet sich die Behandlung in der Regel nach der Ursache. Häufig lösen Medikamente Mundtrockenheit als Nebenwirkung aus. Wer das als Ursache vermutet, sollte den Arzt darauf ansprechen. In vielen Fällen ist es möglich, nach Rücksprache auf ein anderes Präparat zu wechseln oder die Dosierung zu verändern. Ist ein trockener Mund die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung (zum Beispiel von Diabetes oder dem Sjögren-Syndrom), gilt es, diese gezielt zu behandeln. Tipps gegen Mundtrockenheit Ein trockener Mund steigert unter anderem das Risiko für Karies, Parodontitis und Pilzinfektionen wie Mundsoor. Verschiedene Maßnahmen können dem jedoch entgegenwirken und das Risiko für Zahn- und Munderkrankungen senken. Wichtig ist bei Mundtrockenheit vor allem ausreichend zu trinken, am besten Wasser. Erwachsene sollten täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Stört ein trockener Mund beim Schlafen , kann es helfen, für die Nacht etwas Wasser am Bett griffbereit zu haben. So lässt sich bei Bedarf ein kleiner Schluck nehmen und im Mund umspülen. Süße Speisen, Süßigkeiten und zuckrige Getränke verstärken einen trockenen Mund und sollten nur gelegentlich konsumiert werden. Eher meiden sollten Betroffene koffeinhaltige oder alkoholische Getränke, da die Mundtrockenheit dadurch zunehmen kann. Rauchen ist möglichst ganz einzustellen. Mit zuckerfreien Kaugummis, Lutschbonbons oder -tabletten lässt sich der Speichelfluss anregen. Wichtig ist außerdem, die Zähne mindestens zweimal täglich für zwei bis drei Minuten mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta gründlich zu putzen und die Zahnzwischenräume mit Zahnseide und/oder Interdentalbürsten zu reinigen. Zahnpasten, die nicht schäumen, sind bei Mundtrockenheit oft besser verträglich. Denn Zähne und Schleimhäute im Mundraum sind von einem Speichelfilm umhüllt – schäumende Zahnpasta enthält jedoch oberflächenaktive Substanzen, die diesen Film aufreißen. Mundspülungen mit Alkohol können einen trockenen Mund verstärken. Besser eignen sich Mundspülungen mit Xylit, da der Zuckeraustauschstoff den Speichelfluss fördert. Hilfe bei schwerer Mundtrockenheit In schweren Fällen können sogenannte Speichelersatzmittel einen trockenen Mund lindern, zum Beispiel als Gel oder Spray. Zum Schutz vor Karies (sofern eigene Zähne noch vorhanden) sollten diese jedoch möglichst pH-neutral sein und Fluorid enthalten. Auch bestimmte Medikamente können helfen, etwa mit dem Wirkstoff Pilocarbin. Diese können zum Beispiel bei Menschen mit Sjögren-Syndrom ratsam sein oder wenn die Mundtrockenheit auf eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich im Rahmen einer Krebsbehandlung zurückzuführen ist.
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