Augenprobleme: Mehrheit der Älteren erkennt Warnzeichen nicht

latest news headlines 1 woche vor
Flipboard
Sehen ist einer unserer wichtigsten Sinne. Doch weil viele Erkrankungen der Augen schleichend beginnen, übersehen viele Menschen die ersten Warnzeichen. Viele Menschen denken, ihre Augen seien gesund. Doch gerade Ältere liegen mit dieser Annahme oft falsch. Eine neue Auswertung ergab, dass mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen Auffälligkeiten aufwies, obwohl die Betroffenen sich selbst als beschwerdefrei einschätzten. Fachleute sehen darin ein Risiko. Jeder Vierte überschätzt die eigene Augengesundheit In Zusammenarbeit mit dem Optiker Mister Spex wertete das Gesundheitstechnologie-Unternehmen Skleo Health deutschlandweit mehr als 3.400 freiwillige Augenscreenings aus. Ziel war es, herauszufinden, wie gut Menschen ihre eigene Augengesundheit einschätzen, und ob sie regelmäßig zur Vorsorge gehen. Das Ergebnis fällt deutlich aus: 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren seit über zwei Jahren nicht beim Augenarzt. Zudem hatte im Durchschnitt jede vierte Person, die vor dem Screening keine Beschwerden angab, dennoch Auffälligkeiten am Auge. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Bei den über 60-Jährigen zeigte das Screening bei 57 Prozent versteckte Probleme. Bei den 40- bis 60-Jährigen waren es noch 26 Prozent, während Menschen zwischen 18 und 40 ihre Augengesundheit am besten einschätzen konnten. Dennoch zeigten 15 Prozent Auffälligkeiten am Auge, obwohl sie keine Beschwerden hatten. Joëlle Jenny, Augenoptikerin bei Mister Spex, erklärt: "Viele Menschen verlassen sich darauf, dass keine Beschwerden auch keine Risiken bedeuten." Doch das sei ein Irrtum. Steffen E. Künzel, Augenarzt und Mitgründer von Skleo Health, fügt hinzu: "Die meisten Augenerkrankungen verlaufen schmerzfrei und bleiben insbesondere in frühen Stadien symptomlos. Sie entwickeln sich schleichend." Harmlos oder ernste Erkrankung? Was Punkte und Blitze vor den Augen bedeuten Schleier vor den Augen : So tückisch ist der Augeninfarkt Diese Augenprobleme treten besonders oft auf Insgesamt zeigte sich, dass durchschnittlich 17 Prozent der Teilnehmer nachweisbare organische Auffälligkeiten aufwiesen, etwa am Sehnerv oder an der Netzhaut. Dieser Anteil steigt mit dem Alter deutlich an: von acht Prozent bei den 18- bis 40-Jährigen auf 45 Prozent bei den über 60-Jährigen. Männer sind mit 19 Prozent etwas häufiger betroffen als Frauen mit 16 Prozent. Besonders häufige Auffälligkeiten sind (in absteigender Häufigkeit): Sehschwäche : Die Ursachen für eine Sehschwäche sind vielfältig. Es kann die Sehschärfe für die Nähe (Weitsichtigkeit) oder die Ferne (Kurzsichtigkeit) betroffen sein. Es kann aber auch zu Einschränkungen im Gesichtsfeld kommen, etwa zu blinden Flecken. Auch das Sehen im Dunkeln oder von Farben kann beeinträchtigt sein. Bleiben diese Sehschwächen unbehandelt, können sie sich mit der Zeit verschlimmern oder Beschwerden wie Kopfschmerzen auslösen. Glaukom (Grüner Star): Grüner Star ist eine Erkrankung des Sehnervs. Der Verlust an Nervenfasern führt dazu, dass im Gesichtsfeld immer größere Lücken entstehen. Ein Glaukom kann von allein entstehen oder die Folge einer anderen Erkrankung oder Schädigung sein. Der Grüne Star kommt bei etwa zwei Prozent der unter 40-Jährigen vor, bei Menschen über 75 sind es etwa acht Prozent. Die Erkrankung gilt als eine der häufigsten Erblindungsursachen. Mehr zu den Ursachen, Symptomen und der Behandlung von Glaukomen finden Sie hier . Drusen : Das sind Ablagerungen unter der Netzhaut, die im Zuge einer trockenen Makuladegeneration entstehen. Sie führen dazu, dass die Netzhaut nicht mehr optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Nach und nach nehmen so die lichtempfindlichen Zellen auf der Netzhaut Schaden und das Sehvermögen nimmt ab. Makuladegeneration : Die Makula ist eine bestimmte Stelle auf der Netzhaut, die für scharfes Sehen verantwortlich ist. Bei einer Makuladegeneration nimmt die Makula nach und nach Schaden, etwa durch zunehmendes Alter. Im Laufe der Erkrankung wird das zentrale Sehen immer stärker beeinträchtigt. In fortgeschrittenen Stadien kann die Person in der Bildmitte nichts mehr sehen. Es gibt verschiedene Formen der Makuladegeneration . Retinopathie : Als Retinopathie bezeichnet man nicht entzündliche Netzhauterkrankungen. Diese können entweder genetisch bedingt sein oder sich als Folge von anderen Krankheiten entwickeln, etwa bei Diabetes. Dabei werden die kleinen Gefäße in der Netzhaut des Auges geschädigt – bei der diabetischen Retinopathie etwa geschieht das durch den erhöhten Blutzuckerspiegel. Sehnervauffälligkeit : Schäden am Sehnerv können vielerlei Ursachen haben. Neben dem bereits beschriebenen Glaukom können auch Augentraumata, Operationen, Augentumoren oder die Einnahme bestimmter Medikamente ursächlich sein. Bei den jüngeren Teilnehmern dominiert die Sehschwäche mit 60 Prozent aller Auffälligkeiten klar, gefolgt von Glaukom-Verdacht (26 Prozent). Bei den über 60-Jährigen bleibt Sehschwäche mit 37 Prozent relevant, aber die degenerativen Erkrankungen wie Drusen (35 Prozent) treten deutlich in den Vordergrund. Doch nicht nur das Alter spielt eine Rolle. Auch familiäre Vorbelastungen wirken sich aus: Zehn Prozent der Personen mit bekannten Risikofaktoren wie Diabetes oder familiärem Glaukom zeigten bereits konkrete Anzeichen einer Erkrankung. Geht häufige Bildschirmarbeit wirklich auf die Augen? Obwohl junge Menschen seltener ernsthafte Erkrankungen am Auge haben, sind sie nicht automatisch geschützt. Interessant bei den unter 40-Jährigen: Viele berichten zwar von Symptomen wie trockenen Augen oder verschwommenem Sehen, aber das Screening zeigt keine organischen Ursachen. Die Autoren der Analyse schreiben dazu: "Auch wenn kein direkter, kausaler Zusammenhang damit belegt ist, legen die Daten legen nahe, dass ein großer Teil der berichteten Beschwerden auf funktionelle oder vorübergehende Faktoren zurückzuführen ist – etwa intensive Bildschirmnutzung oder trockene Augen – und nicht zwingend auf strukturelle Veränderungen." Einseitige Beschwerden : Immer nur ein Auge trocken – wie kann das sein? Was jetzt wichtig ist Die Ergebnisse belegen eine große Lücke zwischen dem, was Menschen über ihre Augengesundheit denken, und dem, was medizinisch tatsächlich der Fall ist. Frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen sind entscheidend – unabhängig vom Alter oder subjektiven Empfinden. Augenarzt Künzel erklärt: "Ohne frühzeitige Diagnostik werden viele Betroffene erst vorstellig, wenn bereits ein irreversibler Sehverlust eingetreten ist. Vorsorge ist daher nicht optional, sondern unerlässlich."
Aus der Quelle lesen