Erholung von Schlaganfall: Diese simplen Maßnahmen können helfen

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Wer einen Schlaganfall überlebt, ist danach oft länger auf Fürsorge angewiesen. Eine neue Studie zeigt, was die pflegende Person idealerweise tun sollte. Ein Schlaganfall zieht in vielen Fällen dauerhafte Beschwerden nach sich. Je nach Schwere des Anfalls können die Folgen so gravierend sein, dass die Betroffenen nicht in ihr ursprüngliches Leben zurückkehren können: In den ersten Monaten benötigt rund ein Drittel von ihnen pflegerische Versorgung. Etwa 40 bis 50 von 100 Patienten tragen Behinderungen davon, deretwegen sie dauerhaft auf Unterstützung im Alltag angewiesen sind. Wie gut sich die Überlebenden erholen, hängt jedoch nicht nur von der Schwere des Schlaganfalls ab. Eine neue Studie legt nahe, dass hierbei auch die Psyche eine wichtige Rolle spielt: Betroffene, die mit nahestehenden Personen über ihre mit der Erkrankung zusammenhängenden Gefühle sprechen können, genesen möglicherweise besser als diejenigen, denen ein solcher Austausch fehlt. Untersuchung mit 763 Schlaganfallüberlebenden Die Forscher begleiteten den Heilungsverlauf von 763 Frauen und Männern, die kurz zuvor einen leichten bis mittelschweren Schlaganfall erlitten hatten. Bei ihnen handelte es sich um Teilnehmer der STRONG-Studie, einer großangelegten Untersuchung, die zwischen 2016 und 2021 an 28 Kliniken in den USA durchgeführt wurde. Die Abkürzung steht für "Stroke, sTress, RehabilitatiON, and Genetics", also Schlaganfall, Stress, Rehabilitation und Genetik. Im Mittelpunkt stand nämlich die Frage, welche Faktoren die Erholung im ersten Jahr nach einem Schlaganfall beeinflussen. Das Team untersuchte die Patienten erstmals während des Krankenhausaufenthalts sowie erneut nach drei, sechs und zwölf Monaten. Nach einem Jahr bewertete es den Grad der körperlichen Selbstständigkeit mithilfe der modifizierten Rankin-Skala, einem etablierten Instrument zur Erfassung des Behinderungsgrades nach einem Schlaganfall. Die geistige Leistungsfähigkeit prüften die Wissenschaftler mithilfe eines telefonisch durchgeführten Tests, der unter anderem Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache misst. Darüber hinaus interessierte die Forscher, wie stark sich die Betroffenen sozial eingebunden fühlten: Bei allen Nachuntersuchungen wurden diese gefragt, wie oft sie sich einsam fühlten. Zusätzlich sollten sie angeben, inwieweit sie sich in Gesprächen über ihre Sorgen eingeschränkt fühlten. Konkret sollten die Teilnehmer drei Monate nach Abschluss der ersten Heilungsphase zunächst eine Person benennen, auf die sie sich besonders verlassen konnten – etwa ein Familienmitglied, das sich um sie kümmerte. Anschließend gaben sie an, wie häufig sie diese Bezugsperson als offen und empfänglich für Gespräche über ihre Gefühle im Zusammenhang mit dem Schlaganfall erlebten. Den Forschern ging es dabei nicht um die theoretische Möglichkeit, über Emotionen zu sprechen, sondern um die subjektiv wahrgenommene Bereitschaft der Bezugsperson. Fühlten sich die Betroffenen frei, ihr Empfinden zu thematisieren, etwa Ängste vor weiteren gesundheitlichen Problemen? Oder hatten sie den Eindruck, ihr Gegenüber damit zu überfordern oder zu belasten? Sich anderen anzuvertrauen, könnte helfen Bei der Auswertung berücksichtigte das Forschungsteam unter anderem Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Schwere des Schlaganfalls sowie das Stressniveau in den ersten Tagen nach dem Ereignis. Anschließend analysierten sie, ob stärkere soziale Einschränkungen drei Monate nach dem Schlaganfall mit mehr Einsamkeit und einer schlechteren körperlichen und geistigen Erholung nach einem Jahr zusammenhingen. Das Ergebnis: Patienten, die frei und ungehemmt mit ihren Bezugspersonen über seelische Belange sprechen konnten, ging es ein Jahr nach dem Schlaganfall besser als denjenigen, die diesbezüglich über Probleme klagten. Letztere fühlten sich einsamer und hatten größere Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten wie Essen oder Waschen. Auch waren bei ihnen stärkere Beeinträchtigungen der geistigen Fähigkeiten feststellbar, etwa in den Bereichen Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache. Forschungsergebnisse als vorläufig auffassen Die Studie hat gewisse Schwachpunkte, die ihre Aussagekraft einschränken. Unter anderem ist ungewiss, ob die Beobachtungen wirklich die beschriebene Schlussfolgerung zulassen: Denkbar wäre zum Beispiel auch, dass Menschen mit stärkeren körperlichen oder geistigen Einschränkungen sich eher einsam oder in Gesprächen gehemmt fühlen – und nicht umgekehrt. Diese und andere Fragen werden vermutlich auf der International Stroke Conference 2026 der American Stroke Association diskutiert, die Anfang Februar in New Orleans stattfindet. Dort wird das Forscherteam die Studienergebnisse erstmals vorstellen. Wie bei großen medizinischen Kongressen üblich, wurden die zentralen Erkenntnisse vorab veröffentlicht. In einem Fachjournal sind diese noch nicht erschienen, und auch das gilt es bei der Interpretation im Hinterkopf zu behalten: Methodische Details, statistische Robustheit und mögliche Verzerrungen sind noch nicht überprüfbar. Denn das für publizierte Studien vorgeschriebene Peer Review, also die Prüfung durch unabhängige Experten, steht noch aus. Das heißt: Die Ergebnisse liefern interessante Hinweise, sind jedoch als vorläufig zu betrachten. Angehörige sollten ihre Bedeutung nicht unterschätzen Für Angehörige von Schlaganfallüberlebenden könnte sich aus den neuen Erkenntnissen eine wichtige Botschaft ableiten: Der erkrankten Person bei Bedarf ein offenes Ohr für belastende Gefühle anzubieten, könnte nicht nur für eine kurzfristige seelische Erleichterung sorgen. Womöglich fördert solch ein Gesprächsraum auch ihre Genesung und erleichtert im besten Fall die Rückkehr in ein selbstständigeres Leben. Allerdings sollten Angehörige sich nicht überlasten. Aus medizinischer Sicht sind solche Gespräche zwar eine einfache Maßnahme, für die Pflegenden kann es aber auf Dauer strapaziös sein, sich regelmäßig die negativen Gefühle einer nahestehenden Person anzuhören. Ist das der Fall, ist eventuell professionelle Unterstützung zu empfehlen. Bei der Suche nach psychotherapeutischen oder beratenden Hilfsangeboten kann der Arzt weiterhelfen.
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