Influenza-A-Virus: Was macht den Erreger so gefährlich?

latest news headlines 3 tage vor
Flipboard
Unter den Viren, die Grippe auslösen können, gilt das Influenza-A-Virus als besonders gefährlich. Welche Gründe und Folgen das hat, erfahren Sie hier. Wer sich mit Grippe (Fachbegriff: Influenza) ansteckt, fühlt sich typischerweise plötzlich sehr krank und entwickelt hohes Fieber , Schüttelfrost, Gliederschmerzen sowie allgemeine Symptome einer Atemwegsinfektion. Die Virusinfektion verursacht jedes Jahr weltweit Millionen schwere, teils tödlich verlaufende Erkrankungen. Von den vielen verschiedenen Influenzaviren, die Fachleute in die Typen A, B und C unterteilen, sind für die Gesundheit des Menschen aber nur Typ A und B von Bedeutung. Dabei spielt das Influenza-A-Virus die wichtigste Rolle, da es beim Menschen am ehesten schwerwiegende Infektionen auslöst und mitunter zu Pandemien führt: Das sind massenhafte Grippeausbrüche, die sich über Länder und Kontinente hinweg ausbreiten. Influenza-A-Virus tritt in vielen Subtypen auf Der Grund für die Gefährlichkeit des Influenza-A-Virus ist seine hohe Wandlungsfähigkeit. Darauf weisen schon die zahlreichen Subtypen des Virus hin, die anhand ihrer Oberfläche voneinander unterscheidbar sind. Dort befinden sich nämlich bei allen Influenzaviren vom Typ A und B bestimmte Proteinstrukturen namens Hämagglutinin und Neuraminidase, die pilzförmig aus der Virushülle herausragen. Beim Influenza-B-Virus gibt es keine Subtypen; stattdessen unterscheiden Fachleute nach den vorhandenen Oberflächenproteinen nur zwei genetisch verschiedene Linien. Hingegen sind vom Influenza-A-Virus mehrere Hämagglutinin- und Neuraminidase-Subtypen bekannt, die eine Vielzahl von Kombinationen bilden. Jede Kombination entspricht einem Virus-Subtyp und findet sich auch in dessen Bezeichnung wieder. Zu den Influenza-A-Viren, die derzeit regelmäßig beim Menschen zirkulieren, gehören etwa A(H1N1) und A(H3N2). Das Influenza-A-Virus infiziert allerdings nicht nur den Menschen. Viele seiner Subtypen treten bisher fast ausschließlich bei Tieren auf. Bei engem Kontakt zu infizierten Tieren kommt es aber gelegentlich zur Übertragung auf den Menschen, wodurch dieser schwer erkranken kann. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die durch den Subtyp H5N1 ausgelöste Vogelgrippe . Wandlungsfähig durch ständige Mutationen Dass das Influenza-A-Virus so wandlungsfähig ist, verdankt es der hohen Neigung seiner Erbinformation, sich ständig zu verändern. Je nachdem, wie diese Mutationen ablaufen, können sie sich allmählich und geringfügig oder schlagartig und massiv auf das Virus beziehungsweise die Struktur seiner Oberflächenproteine auswirken: Wenn Viren sich vermehren, vervielfältigt sich ihre Erbinformation, wobei oft kleine Kopierfehler auftreten (Fachbegriff: Punktmutationen ). Bei Influenzaviren werden solche üblichen Fehler jedoch nicht repariert. Die Folge sind allmähliche geringe Veränderungen der Oberflächenproteine beziehungsweise -antigene, fachsprachlich Antigendrift genannt. Beim Influenza-A-Virus entstehen dadurch neue Varianten desselben Subtyps. Die ursprüngliche Bezeichnung des Subtyps (wie H5N1) bleibt aber bestehen. Wenn sich jemand gleichzeitig mit zwei (oder mehr) verschiedenen Influenza-A-Viren infiziert, können diese ihr Erbmaterial untereinander austauschen. Da die gesamte Erbinformation eines Influenza-A-Virus in nur acht einzelne Abschnitte unterteilt ist, kann deren Neukombination (Fachbegriff: Reassortment ) die Eigenschaften der Oberflächenantigene stark verändern, was fachsprachlich Antigenshift heißt. Dadurch kann das Influenza-A-Virus besonders schnell völlig neue Subtypen bilden, die eigene Bezeichnungen erhalten. Mutationen erschweren den Schutz vor Grippe Weil sich das Influenza-A-Virus ständig verändert, kann der Körper keinen dauerhaften Immunschutz gegen den Erreger aufbauen. Daher verursacht das Virus immer wieder teils schwere Erkrankungen bei Mensch und Tier, wobei auch diejenigen betroffen sein können, die bereits mit Grippeviren infiziert waren oder gegen Grippe geimpft sind. Dabei können saisonale Grippewellen, Grippeepidemien oder gar Pandemien entstehen. Die kleinen Veränderungen der Virusoberfläche (Antigendrift) bringen alle ein bis drei Jahre neue Varianten des Influenza-A-Virus hervor, gegen die ein früher erworbener Immunschutz kaum oder gar nicht wirkt. In der Folge steigen die Erkrankungsfälle in der Bevölkerung an: So kommt es zu regelmäßigen saisonalen Grippewellen sowie zu örtlich und zeitlich begrenzten Massenerkrankungen (Epidemien). Saisonale Grippewellen entstehen durch regional verschiedene Stämme des Influenza-A- und/oder des Influenza-B-Virus und betreffen nur den Menschen. Damit die Impfung gegen saisonale Grippe bestmöglich wirkt, ist es üblich, den Impfstoff jedes Jahr erneut zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Wann sich neue Subtypen des Influenza-A-Virus mit stark veränderten Oberflächeneigenschaften entwickeln (Antigenshift), ist kaum vorhersehbar. Die plötzlich auftauchenden, neuartigen, nicht saisonalen Erreger können nicht nur eine früher erworbene Immunabwehr umgehen, sondern sich auch an einen neuen Wirt anpassen: Dies kann etwa passieren, indem sich Erbmaterial eines menschlichen und eines auf Schweine oder Vögel spezialisierten Grippevirus miteinander vermischen. Wenn ein neuartiges Influenza-A-Virus Menschen infizieren kann, leicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist und auf eine weitgehend ungeschützte Bevölkerung trifft, kann es eine Pandemie auslösen. Für alle bisherigen Grippepandemien war ausschließlich das Influenza-A-Virus verantwortlich. Anders als bei saisonalen Grippewellen breitet sich bei einer Pandemie meist ein einzelner neuer Virusstamm aus. Die Grippeimpfung lohnt sich dennoch Die Grippeimpfung wirkt nur gegen die im Impfstoff enthaltenen oder ähnliche Influenzaviren, wobei ihre Wirksamkeit von Saison zu Saison stark schwanken kann. Selbst wer sich jährlich gegen Grippe impfen lässt, kann sich somit dennoch anstecken und erkranken. Dennoch gilt die jährliche Grippeimpfung als wichtigste Schutzmaßnahme gegen Influenzaviren. Denn geimpfte Menschen haben ein deutlich geringeres Risiko, sich anzustecken. Und falls sie trotz Impfung an Grippe erkranken, ist deren Verlauf für gewöhnlich milder als bei ungeimpften Personen. Darum empfehlen Fachleute besonders bei erhöhtem Risiko für schwere Infektionsverläufe (wie etwa bei einer chronischen Erkrankung, in der Schwangerschaft und ab 60 Jahren), sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen.
Aus der Quelle lesen