Viele Vitamine, Mineralstoffe und gesunde Pflanzenstoffe – damit locken exotische Superfoods. Doch bei einigen sollte man genauer auf die Inhaltsstoffe schauen. Superfoods liegen im Trend: Kaum ein Supermarkt, der keine Smoothies, Müslis oder Riegel mit Acai, Spirulina oder Moringa im Regal hat. Die Produkte sollen das Immunsystem stärken, den Alterungsprozess bremsen und sogar vor schweren Krankheiten schützen. Doch viele dieser Versprechen sind unbelegt und der Verzehr nicht ganz ungefährlich. Worauf Sie achten sollten. Was genau sind Superfoods? Superfoods sind meist pflanzliche Lebensmittel, die besonders viele Vitamine, Mineralstoffe oder sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Dazu zählen Früchte, Samen, Algen oder Kräuter – meist in getrockneter, pulverisierter oder konzentrierter Form. Einige Produkte werden auch in Kapseln angeboten oder Lebensmitteln zugesetzt. Klingt gesund, doch Vorsicht: Der Begriff "Superfood" ist gesetzlich nicht geschützt. Hersteller dürfen ihn nach Belieben verwenden. Was als Superfood gilt, unterliegt Trends, nicht wissenschaftlichen Standards. Überdosierte Superfoods können dem Körper schaden Nicht jedes Superfood ist für jeden Menschen geeignet. Gerade in konzentrierter Form, etwa als Kapsel, Pulver oder Extrakt, können die Inhaltsstoffe schnell überdosiert werden. Denn anders als bei Arzneimitteln ist die Zusammensetzung dieser Produkte nicht standardisiert. Und auch an sich gesunde Inhaltsstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe können in zu großen Mengen Probleme verursachen. Einige Beispiele sind: Matcha : Das Pulver aus gemahlenem Grünen Tee enthält neben wertvollen Inhaltsstoffen auch sehr viel Oxalsäure. Sie kann in größeren Mengen die Aufnahme von Kalzium, Magnesium und Eisen im Körper stören. Matcha kann zudem problematische Substanzen enthalten, etwa Aluminium und Blei . Daher sollten Sie maximal drei Gramm über den Tag verteilt zu sich nehmen. Chiasamen : Sie gelten als Quelle für Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren. Doch wer sie ungequollen und in großen Mengen verzehrt, riskiert Blähungen oder Verstopfungen – vor allem, wenn zu wenig Wasser dazu getrunken wird. Leinsamen : Ähnlich wie Chiasamen können Leinsamen in großen Mengen Blähungen oder Verstopfungen verursachen. Hinzu kommt, dass Leinsamen Blausäure enthalten . Die meisten erhältlichen Leinsamen sollen daher nicht roh verzehrt werden, da es sonst zu einer Vergiftung kommen kann. Außerdem empfehlen Experten täglich maximal 15 Gramm zu verzehren. Goji-Beeren : Sie können mit blutverdünnenden Medikamenten wie Marcumar wechselwirken und deren Wirkung verstärken. Grapefruit : Auch diese Früchte können mit bestimmten Medikamenten wechselwirken. So ist etwa bekannt, dass sie dir Wirkung einiger Statine, Calciumkanalblocker und Antidepressiva negativ beeinflussen. Coriolus : Der "Vitalpilz" enthält Giftstoffe, die erst durchs Kochen abgebaut werden. Wer ihn roh verzehrt, kann sich daher unter Umständen vergiften. Unerwünschte Stoffe und gefährliche Rückstände Ein weiteres Risiko: Viele Superfoods stammen aus Ländern mit anderen Anbau- und Hygienestandards. Um lange Transportwege zu überstehen, müssen die Produkte zudem oft früh geerntet, stark verarbeitet oder konserviert werden. Dabei können wertvolle Nährstoffe verloren gehen oder bedenkliche Rückstände entstehen. Zudem finden sich in Superfoods immer wieder Rückstände von Pestiziden, Schwermetallen, Mineralöl, giftige Alkaloide (natürliche Stoffe, welche Pflanzen zur Abwehr von Fressfeinden bilden) oder sogar Keime wie Salmonellen . Ein Beispiel: Bei einer Untersuchung (2017) von Chiasamen, getrocknete Goji-Beeren sowie Moringa-, Gerstengras- und Weizengraspulver lag bei etwa 40 Prozent der Proben die Pestizidbelastung über dem gesetzlichen Grenzwert. Besonders kritisch: Einige Proben wiesen Perchlorat auf. Dieser Stoff kann die Jodaufnahme stören und langfristig die Schilddrüse schädigen. Auch zu Produkten mit Spirulina-Algen gibt es immer wieder Meldungen über zu hohe Schadstoffbelastungen, etwa durch verschmutztes Zuchtwasser. Lesen Sie auch : Das kann passieren, wenn Sie jeden Tag eine Avocado essen Risiko Allergien und Unverträglichkeiten Superfoods können auch allergische Reaktionen auslösen – besonders, wenn sie aus fernen Ländern stammen. Das liegt daran, dass exotische Pflanzen oft unbekannte Eiweiße enthalten, auf die das Immunsystem empfindlich reagiert. Gerade bei bereits bekannten Allergien oder Kreuzallergien sollten Verbraucher besonders vorsichtig sein. So können nach dem Verzehr von Shiitake-Pilzen unerwünschte Hautreaktionen mit Entzündung, Rötung und starkem Juckreiz auftreten, die sogenannte Shiitake-Dermatitis. Sie sind teilweise in sogenannten "Vitalpilz"-Mischungen enthalten. Heimische Alternativen sind oft gleich gut Viele Verbraucher wissen nicht: Die gesunden Inhaltsstoffe exotischer Superfoods finden sich oft auch in heimischen Lebensmitteln. Schwarze Johannisbeeren etwa enthalten mehr Vitamin C als Goji-Beeren und auch heimische Nüsse, Kräuter oder grünes Blattgemüse punktet mit Vitaminen, Mineralstoffen und antioxidativen Pflanzenstoffen – ganz ohne überteuerte Priese und lange Transportwege. Mehr Informationen zu heimischen Superfoods, die sogar im eigenen Garten wachsen, finden Sie hier . Fazit Superfoods in Form von frischem Obst, Gemüse, Nüssen, Samen oder Kräutern können die Ernährung bereichern – aber auch sie sind aber kein Wundermittel. Wer regelmäßig große Mengen dieser nährstoffreichen Lebensmittel isst, sich auf exotische Pulver und Kapseln verlässt oder gleichzeitig Medikamente einnimmt, sollte unbedingt mit seiner Ärztin oder seinem Arzt sprechen. Zudem bergen gerade exotische Superfoods aus anderen Ländern ein gewisses Risiko für Allergien oder Belastungen mit Schadstoffen.