Wenn Großeltern Zeit mit ihren Enkeln verbringen, profitiert nicht nur die Familie – auch das Gehirn bleibt dadurch länger leistungsfähig. Das berichten Wissenschaftler aus den Niederlanden. Enkelkinder zur Schule bringen, mit ihnen spielen oder bei den Hausaufgaben helfen: Was für viele Großeltern ganz selbstverständlich ist, hat laut einer aktuellen Studie eine überraschende Nebenwirkung. Wer sich regelmäßig um seine Enkel kümmert, zeigt im Alter bessere Gedächtnisleistungen und bleibt sprachlich fitter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität Tilburg, die in der Fachzeitschrift "Psychology and Aging" erschienen ist. Die Forscher analysierten dafür Daten von fast 3.000 Großeltern im Alter von über 50 Jahren, die im Rahmen einer Langzeitstudie zwischen 2016 und 2022 regelmäßig befragt und getestet wurden. Enkel betreuen trainiert das Gedächtnis Im Fokus stand die Frage, ob und wie sich die Betreuung von Enkelkindern auf die geistige Gesundheit der Großeltern auswirkt. Die Teilnehmer berichteten unter anderem, ob sie sich im vergangenen Jahr um Enkelkinder gekümmert hatten, wie häufig und in welcher Form. Die Ergebnisse: Großeltern, die regelmäßig für ihre Enkel da waren, schnitten in kognitiven Tests deutlich besser ab als jene, die keinen Kontakt zu jungen Kindern hatten. Vor allem das sogenannte episodische Gedächtnis, also die Fähigkeit, sich an eigene Erlebnisse zu erinnern, und die Sprachgewandtheit waren bei betreuenden Großeltern stärker ausgeprägt. Dabei spielte es keine große Rolle, ob sie nur gelegentlich halfen oder täglich. Entscheidend war laut Studienautorin Flavia Chereches vielmehr die grundsätzliche Einbindung in die Betreuung. Offenbar genügt dies, um positive Effekte zu erzielen. Alzheimer-Test: Jeder Zehnte über 70 zeigt auffällige Werte Gesund altern: Warum so viele Brasilianer über 110 Jahre alt werden Warum das Gehirn von der Enkelzeit profitiert Die Betreuung von Kindern stellt ältere Menschen vor immer neue Herausforderungen: Sie müssen spontan reagieren, flexibel denken und kreative Lösungen finden. Genau diese Prozesse regen das Gehirn an und halten es fit. Laut den Forschern könnte das ein Grund sein, warum betreuende Großeltern in kognitiven Tests so gut abschnitten. Sie stehen in ständigem Austausch mit einer jungen Generation und genau dieser generationsübergreifende Kontakt könnte eine Art "mentales Training" darstellen. Zudem führt die Beschäftigung mit Kindern häufig dazu, dass ältere Menschen aktiver bleiben, sich mehr bewegen und emotional eingebundener fühlen – alles Faktoren, die bekanntermaßen die geistige Gesundheit fördern. Besonders Großmütter profitieren Auffällig war: Die positiven Effekte der Kinderbetreuung zeigten sich vor allem bei Großmüttern. Frauen, die sich regelmäßig um ihre Enkel kümmerten, starteten nicht nur mit besseren kognitiven Werten, ihr geistiger Abbau verlief im Laufe der Jahre auch deutlich langsamer als bei Großmüttern ohne Betreuung. Großväter profitierten ebenfalls, allerdings in geringerem Maße. Zwar hatten auch sie anfangs bessere Testergebnisse als nicht betreuende Männer, doch dieser Vorteil schwand mit der Zeit. Die Forscher vermuten als Ursache ein unterschiedliches Betreuungsverhalten: Großmütter übernehmen meist die Organisation und kümmern sich stärker um emotionale und praktische Belange. Großväter hingegen sind oft bei Freizeitaktivitäten eingebunden, was offenbar weniger kognitive Reize bietet. Nicht jeder möchte oder kann Enkel betreuen Die Studienautoren betonen aber auch: Nicht alle Menschen haben Enkel und nicht jede Betreuung wirkt automatisch positiv. Entscheidend sei, dass die Betreuung freiwillig erfolgt und in einem unterstützenden familiären Umfeld stattfindet. Wer sich überfordert fühlt oder zur Betreuung gedrängt wird, profitiert möglicherweise nicht im gleichen Maße. Gleichzeitig gibt es viele andere Wege, im Alter geistig fit zu bleiben: Neue Hobbys, kulturelle Angebote, soziale Aktivitäten oder das Erlernen von Sprachen und Fähigkeiten können ebenso helfen, den kognitiven Abbau zu bremsen.