Rund jeder dritte Mensch trägt einen Parasiten in sich, der sich bisher nicht restlos beseitigen lässt. Neue Forschungsergebnisse könnten daran bald etwas ändern. Toxoplasma gondii heißt der Parasit, der laut einer aktuellen Veröffentlichung in seinem als inaktiv geltenden Stadium viel komplexer ist als bislang angenommen. Was die Forscher in der vorgestellten Studie mithilfe moderner Einzelzellanalysen entdeckt haben, könnte helfen, endlich wirksamere Medikamente gegen die Infektion mit dem Parasiten zu entwickeln. Mehr erfahren: Diese Parasiten können gefährlich werden Toxoplasmose: Harmlos bis lebensbedrohlich Toxoplasma gondii ist weltweit verbreitet und kann beim Menschen eine Erkrankung namens Toxoplasmose hervorrufen. Zur Ansteckung kommt es meist durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch, verunreinigtem Gemüse oder Trinkwasser oder durch Kontakt mit Katzenkot. Infizierte Schwangere können den Erreger zudem auf das ungeborene Kind übertragen. Mehr erfahren: Diese Krankheiten können Haustiere übertragen Die Infektion kann zu Fieber und grippeähnlichen Beschwerden führen. Menschen mit einer Immunschwäche können eine schwere Toxoplasmose mit Komplikationen im Bereich des Gehirns oder der Augen entwickeln. Bei Schwangeren kann die Ansteckung des Kindes je nach Zeitpunkt der Infektion zu Fehlgeburt, Totgeburt, Fehlbildungen oder angeborenen Hirn- oder Sehschäden führen. Mehr erfahren: Fehlgeburt – was betroffene Frauen wissen sollten Mehrheitlich (nämlich in 80 Prozent der Fälle) verläuft eine Infektion mit Toxoplasma gondii jedoch ohne Symptome. Dies bedeutet allerdings keine Entwarnung, denn: Hat der Parasit den Körper befallen und damit die körpereigene Immunabwehr ausgelöst, bildet er innerhalb der befallenen Zellen als Rückzugsort mikroskopisch kleine Zysten – vorwiegend im Gehirn und im Muskelgewebe. Infektion bleibt auf unbestimmte Zeit bestehen Diese Zysten können lebenslang unerkannt im Gewebe überdauern. Die darin eingeschlossenen und ruhenden Parasiten, fachsprachlich Bradyzoiten genannt, können jederzeit erneut aktiv werden: Dann verwandeln sie sich in sogenannte Tachyzoiten, die sich schnell vermehren, im gesamten Körper ausbreiten und eine Erkrankung verursachen, die mitunter (etwa wenn sich das Gehirn entzündet) lebensbedrohlich verläuft. Am ehesten geschieht dies bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Gängige Mittel wirken nur begrenzt Die derzeit übliche Therapie wirkt nur gegen die Tachyzoiten, die für akute Erkrankungen verantwortlich sind, nicht aber gegen die Bradyzoiten, die zu Hunderten in nur einer Zyste stecken. Denn jede Zyste ist von einer schützenden Wand umgeben, die bislang jegliche Versuche, sie endgültig zu beseitigen oder die Reaktivierung der Bradyzoiten zu verhindern, scheitern ließ. Die bisherige Forschung konzentrierte sich allerdings hauptsächlich auf im Labor gezüchtete Tachyzoiten. Die in den Zysten eingeschlossenen Bradyzoiten sind weitgehend unerforscht. So blieb über mehrere Jahrzehnte die Vorstellung bestehen, dass alle Bradyzoiten in einer Zyste demselben Typ entsprechen, der sich in einer Ruhephase befindet und nach seiner Reaktivierung in einen Tachyzoiten umwandelt. Hoffnung auf neue Behandlungsmöglichkeiten Die aktuell in der Fachzeitschrift "Nature Communications" präsentierten Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese Vorstellung falsch ist. Das Forschungsteam der University of California, Riverside, konnte nachweisen, dass jede Zyste mindestens fünf verschiedene Subtypen von Bradyzoiten enthält, die jeweils unterschiedliche Funktionen wie Überleben, Reaktivierung oder Ausbreitung erfüllen. Demnach ist der in seiner Zyste "schlummernde" Parasit tatsächlich viel komplexer und aktiver als gedacht. Dank der neuen Erkenntnisse lassen sich nun die Subtypen bestimmen, die am ehesten wieder aktiv werden und Schäden verursachen. Dies liefert neue, genauere Ansatzpunkte für zukünftige Therapien. Bessere Behandlungsmöglichkeiten wären angesichts der vielen Betroffenen mehr als wünschenswert: In Deutschland infizieren sich jedes Jahr etwa 1.300 Ungeborene mit Toxoplasma gondii. Zudem hat fast die Hälfte aller Erwachsenen hierzulande Antikörper gegen den Parasiten im Blut, was auf eine aktuelle oder zurückliegende Infektion hinweist. Deren Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter: Bei jungen Erwachsenen beträgt der Anteil der Infizierten circa 20 Prozent, in höheren Lebensjahren über 70 Prozent.