Schlaf ist nicht nur für die Erholung wichtig, sondern kann auch wertvolle Hinweise auf unsere Gesundheit geben. Forscher haben nun einen neuen Risikotest entwickelt. Schlechter Schlaf kann mehr zur Folge haben als lediglich eine unangenehme Müdigkeit am nächsten Morgen. Er kann nach neuester Forschung auch ein frühes Anzeichen für ernsthafte gesundheitliche Probleme sein, die Jahre später auftreten. Wissenschaftler der Stanford University haben jetzt eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt, die in der Lage ist, anhand von Schlafdaten das Risiko für mehr als 100 Krankheiten vorherzusagen – und das aus nur einer Nacht Schlaf. Neues KI-Modell prognostiziert Krankheitsrisiko im Schlaf Das Modell mit dem Namen SleepFM wurde mit mehr als 585.000 Stunden Schlafdaten von 65.000 Teilnehmern trainiert. Es nutzt eine Vielzahl von Körperdaten, die während einer Polysomnografie, einer der umfassendsten Schlafuntersuchungen, erfasst werden. Dabei werden neben Hirnströmen auch Herzaktivität, Atemmuster, Beinbewegungen und viele weitere physiologische Signale aufgezeichnet. "Schlaf ist ein noch wenig genutzter Schatz an physiologischen Daten", erklärte Emmanuel Mignot, einer der führenden Wissenschaftler der Studie, laut Mitteilung. "Im Schlaf erfassen wir eine unglaubliche Menge an Signalen, die für die Analyse der Gesundheit eines Menschen von unschätzbarem Wert sein können." Gut zu wissen: Was passiert in einem Schlaflabor? Arm, Bein oder gesamter Körper : Warum zuckt man beim Einschlafen? Präzise Vorhersagen für schwere Krankheiten Die Forscher haben das SleepFM-Modell nicht nur mit standardisierten Schlafanalysen getestet, sondern auch mit dem Ziel, Vorhersagen über zukünftige Gesundheitsprobleme zu treffen. Sie verbanden die Schlafdaten mit den Gesundheitsakten der Teilnehmer, um zu prüfen, welche Krankheiten sich auf Basis der Schlafdaten vorhersagen ließen. Das Ergebnis: Das Modell konnte über 130 Krankheiten mit hoher Genauigkeit prognostizieren, darunter Parkinson, Alzheimer, Herzkrankheiten, Krebsarten und sogar die allgemeine Sterblichkeit. Besonders starke Vorhersagen wurden für Erkrankungen wie Parkinson und Brustkrebs erzielt. Kombinierte Daten führen zu besten Ergebnissen Ein faszinierender Aspekt der KI ist ihre Fähigkeit, verschiedene Datenquellen miteinander zu kombinieren. So spielen etwa die Gehirnströme eine größere Rolle bei der Vorhersage von psychischen Erkrankungen, während Herzsignale für die Vorhersage von Herzkrankheiten entscheidend sind. Doch die besten Vorhersagen wurden durch die Kombination aller verfügbaren Signale erzielt. "Die größte Informationsmenge erhielten wir durch den Vergleich der verschiedenen Kanäle", sagte Mignot. "Kombinierte Signale, die nicht synchron sind, deuten oft auf gesundheitliche Probleme hin." Das Ziel: Frühzeitige Diagnose und Behandlung Die Forscher hoffen, dass SleepFM langfristig nicht nur zur Krankheitsvorhersage, sondern auch für präventive Maßnahmen eingesetzt werden kann. Durch die frühe Diagnose könnten rechtzeitig Lebensstiländerungen oder medikamentöse Behandlungen eingeleitet werden, um das Fortschreiten von Krankheiten zu verlangsamen oder sogar zu verhindern. Die nächste Herausforderung besteht darin, das Modell weiter zu verfeinern und zusätzliche Daten aus tragbaren Geräten wie Fitnesstrackern zu integrieren. "Unsere Arbeit steht erst am Anfang", so die Forscher. "Wir sehen großes Potenzial, Schlafdaten noch effektiver für die Gesundheitsvorsorge zu nutzen."