Vergesslichkeit und Ernährung hängen zusammen. Ultrahoch verarbeitete Kost erhöht das Demenzrisiko. Frische, mediterrane Ernährung schützt das Gehirn. Die Ernährung gehört zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für die Hirngesundheit. Untersuchungen zeigen: Wer häufig ultrahoch verarbeitete Lebensmittel isst, hat ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall , Demenz und vermutlich auch Parkinson. Eine frische, ballaststoffreiche und pflanzenbetonte Kost hingegen – wie die mediterrane Ernährung – wirkt Vergesslichkeit entgegen. Ultrahoch verarbeitete Lebensmittel: Gefährlich für das Gehirn Im Juli 2025 wiesen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Hirnstiftung in einer Pressemeldung auf die Problematik ultrahoch verarbeiteter Lebensmittel ("ultra-processed foods", UPFs) hin. Wie die Experten betonen, mehren sich die Hinweise, dass UPF die Hirngesundheit schädigen. UPFs sollen sowohl Schlaganfälle begünstigen als auch das Demenz- und Parkinsonrisiko erhöhen. Als ultrahoch verarbeitete Lebensmittel werden Lebensmittel und Getränke eingestuft, deren Rohstoffe umfangreich industriell verarbeitet wurden und die meist viele Zusatzstoffe (Aromen, Konservierungsmittel, Farbstoffe) sowie energiereiche, wenig essenzielle Inhaltsstoffe (gesättigte Fette, Zucker) enthalten. Zu den ultrahocherhitzten Lebensmitteln gehören beispielsweise: Softdrinks Süßwaren Snacks Fertiggerichte wie Fertigpizza und Dosenravioli Instantprodukte Convenience-Backwaren Ultrahoch verarbeitete Lebensmittel sind beliebt. In wenigen Minuten steht das Essen auf dem Tisch – ganz ohne aufwendiges Kochen. In Deutschland stammen im Schnitt rund 39 Prozent der täglichen Energieaufnahme aus hoch verarbeiteten Produkten. Der Markt wächst weiter: Für 2025 werden allein mit Fertiggerichten Umsätze von etwa 6,6 Milliarden Euro erwartet – Tendenz steigend. Was haben hoch verarbeitete Lebensmittel mit Vergesslichkeit zu tun? Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Hirnstiftung betonen die Nachteile von ultrahoch verarbeiteten Lebensmitteln, darunter eine hohe Energiedichte, ein geringer Vitamin- und Ballaststoffgehalt sowie viele künstliche Zusatzstoffe. Wer diese Produkte häufig verzehrt, hat ein erhöhtes Gesundheitsrisiko – nicht nur für Schlaganfall und Parkinson, sondern auch für Demenz und Alzheimer, die häufigste Form der Demenz. Die Experten verweisen auf verschiedene große Studien, die darauf hindeuten, dass zwischen dem Verzehr ultrahoch verarbeiteter Lebensmittel und Demenz ein Zusammenhang besteht – je nach Studie ein bis zu 44 Prozent höheres Demenzrisiko. Das Risiko steigt mit der Menge des Konsums an. Wie verarbeitete Lebensmittel das Gehirn beeinflussen Wie Professor Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung, mitteilt, sind die Mechanismen nicht vollständig geklärt. Zum einen gebe es den indirekten Zusammenhang zwischen Übergewicht und den Folgekrankheiten Bluthochdruck und Diabetes, die mit einem höheren Demenzrisiko einhergehen. Zum anderen werden Veränderungen des Darmmikrobioms diskutiert. Hoch verarbeitete Lebensmittel enthalten viele gesättigte Fette, Transfette , raffinierte Kohlenhydrate, Salz und wenig Ballaststoffe, was die mikrobielle Vielfalt im Darm verändern kann. Krank machende Veränderungen im Gehirn können die Folge sein. Ebenso können dem Experten zufolge auch einzelne Stoffe, etwa künstliche Aromen oder andere Zusatzstoffe, direkt neurotoxisch wirken und die Entstehung einer Demenz begünstigen. In Verdacht stehen unter anderem Glutamat und Nitrate. Welche Ernährung das Gehirn stärkt Professor Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, fasst zusammen: "Insgesamt lässt sich feststellen, dass wir uns mit Fast Food und Fertiggerichten, was die Hirngesundheit angeht, keinen Gefallen tun. Ernährung ist ein wichtiger Baustein für die Hirngesundheit, und es ist inzwischen gut belegt, dass wir uns mit einer frischen, Salat-, Gemüse- und Ballaststoff-betonten Ernährungsweise vor vielen Krankheiten schützen können." Gesunde Ernährung – orientiert an der mediterranen Küche Eine gute Orientierung für eine hirngesunde Ernährung bietet die mediterrane Küche mit reichlich Gemüse, Obst, Salaten, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Olivenöl und regelmäßig Fisch statt verarbeitetem Fleisch. Studien zeigen, dass die mediterrane Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes senken und zugleich die Hirngesundheit verbessern kann. In der deutschen Delcode-Studie beispielsweise fanden Forschende Hinweise, dass ein mediterranes Ernährungsmuster mit weniger Proteinablagerungen im Gehirn und weniger Gehirnschwund (Hirnatrophie) verbunden ist – alles bekannte Risikofaktoren für Demenz und Alzheimer. Mit gesunder Ernährung das Gedächtnis stärken Es kommt nicht auf einzelne "Superfoods" an, sondern allgemein auf den Verzehr frischer, pflanzenbetonter, ballaststoffreicher und wenig verarbeiteter Speisen. Wie die Alzheimer Forschung Initiative e. V. betont, gibt es kein Lebensmittel, mit dem sich das Risiko für eine Demenzerkrankung wegessen lasse. Aber mit einer ausgewogenen und bewussten Ernährung könne das Risiko für eine Demenzerkrankung gesenkt werden. Eine gute Ernährung stärke das Herz-Kreislauf-System, wirke Entzündungen entgegen und versorge das Gehirn mit wichtigen Nährstoffen. Fünf wichtige Ernährungstipps gegen Vergesslichkeit Die folgenden fünf Ernährungstipps der Alzheimer Forschung Initiative e. V. unterstützen die Gehirnfunktion: Selbst kochen: So oft wie möglich frisch kochen und industriell hergestellte Produkte meiden. Wer auf natürliche, wenig verarbeitete Lebensmittel setzt, senkt sein Demenzrisiko messbar. Zu Obst statt Süßigkeiten greifen: Obst liefert Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die Entzündungen entgegenwirken. Besonders Beeren, Äpfel und Birnen gelten der Alzheimer Forschung Initiative e. V. zufolge als förderlich für die Gedächtnisleistung. Gesunde Fette wählen: Gesunde Fette aus Oliven- oder Rapsöl, Nüssen und fettem Seefisch stärken die Zellmembranen im Gehirn. Rapsöl hat laut den Experten in Studien ähnlich positive Effekte gezeigt wie Olivenöl. Sekundäre Pflanzenstoffe essen: Polyphenole aus Olivenöl, Heidelbeeren oder rotem Traubensaft wirken den Alzheimer-Experten zufolge gegen "oxidativen Stress", also gegen Stoffe, die Zellen schädigen und Alterungsprozesse beschleunigen können. Ausreichend trinken: Ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee trinken. Eine gute Flüssigkeitsversorgung unterstützt die Konzentration und die Durchblutung des Gehirns. Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll? Das Gehirn braucht eine gute Nährstoffversorgung. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist der Bedarf in der Regel gedeckt. Nahrungsergänzungsmittel können dann eine Option sein, wenn ein Mangel diagnostiziert wurde. Wer das Gefühl hat, nicht ausreichend versorgt zu sein, kann mit seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin ins Gespräch gehen. Für frei verkäufliche "Gedächtnis Booster" fehlt die Evidenz: Ginkgo: Positive Effekte auf die Gedächtnisleistung sind für Ginkgo-Nahrungsergänzungsmittel nicht belegt. Wirksame Ginkgo-Arzneimittel gehören in ärztliche Hand. Lecithin/OPC/Knoblauch/Rosenwurz: Belastbare Belege für kognitive Vorteile als Nahrungsergänzung fehlen. Vitamine/Mineralstoffe: Ohne bestehenden Mangel ist keine präventive Wirkung auf kognitive Funktionen oder das Demenzrisiko nachweisbar. Vitamine und Mineralstoffe sollten vorzugsweise über frische Lebensmittel aufgenommen werden. Wann mit Vergesslichkeit zum Arzt? Bei einer Demenz, also einer anhaltenden oder fortschreitenden Beeinträchtigung des Gedächtnisses, lassen die Gehirnfunktionen deutlich rascher nach als beim natürlichen Alterungsprozess. Zu einem Warnzeichen wird Vergesslichkeit, wenn sie sich nicht wieder verbessert oder gar im Verlauf weiter zunimmt. Auch, wenn Vergessenes nicht wieder erinnert wird und die Gedächtnislücken den Alltag zunehmend belasten, sollten Betroffene aufmerksam werden. Bei zunehmender Vergesslichkeit ist es wichtig, die Leistungsfähigkeit des Gehirns untersuchen zu lassen.